Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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216 h 5. Getheiltes Vottsthunr. Prüfungen durch die Unschuld seines Herzens unbefangen und froh. Doch er zieht nach der Fremde, seine Größe zeigt sich im AusbreiLen seiner Macht, weniger im Innern; das ist die Bedeutung des Stammes Ephraim. Wir wissen nicht genug von ihm, um seine Bedeutung vollkommen aufzeigen zu können, die Berichte sind alle judä'isch gefärbt, und dennoch blickt überall seine hervorragende Stellung durch. Von Ephraim kommt derjenige, der zuerst Ln Kanaan eintritt, Josua ist ein Ephraimite, er ist der Nachfolger von Moses. Ephraim begründet zuerst die Macht Israels. Die ersten Propheten traten Ln Ephraim auf und verkündeten den edlen hochherzigen Geist, der sich ru ihm zeigte. Freilich, es hat den Drang, eine große Macht zu werden, es begnügt sich nicht damit, innerhalb Israels von Bedeutung zu sein, es geht oft auf Eroberungen aus. Die israelitische Großmacht beeifert sich, eine asiatische zu werden; aber daß es ganz Israel beherrschte, von diesem Ziele bleibt es doch weit entfernt. Neben Ephraim steht immer Juda. Juda, finsterer, nicht so liebenswürdig austretend, seiner ganzen Erscheinung nach in sich geschlossener, straffer und durch bvcfc Straffheit zäher, die Idee mächtiger Ln sich entwickelnd. Juda rettet Joseph vom Tode, Juda leistet für Benjamin die Bürgschaft und er tritt für ihn ein, als ihn Joseph zurückhalten will. Aus Juda ist auch einer der Abgesandten, Caleb, der Sohn des Jefunne, der gleichfalls für die Eroberung des Landes begeistert ist und das Zagen der anderen Stämme als eine unwürdige Handlung verwirft. Juda ist es auch, das seine Stammeseigenthümlichkeit sich wahrt und das eine kurze Zeit auch die Herrschast über ganz Israel erreicht. Sicher war diese Herrschaft keine enge, die Selbständigkeit der Stämme war wohl noch entschieden genug, so daß auch David's und Salomo's Zeit keine wirkliche Gesammtmonarchic darbietet, doch war wohl, wenn auch widerwillig, Juda's Hegemonie anerkannt. Da ist ein bezeichnendes Wort, wie es das Innerste der Volksbewegung ausspricht: David war gestorben, und Salomo folgte ihm; er war ein weiser Fürst und von seiner Weisheit wird namentlich eine Geschichte mitgetheilt, die zugleich den innersten Gedanken der Zeit enthüllt. Es traten einst, wird erzählt, zwei Frauen vor ihn hin, die eine hatte ein lebendiges, die andere ein todtes Kind, aber beide behaupteten, das lebendige sei das ihre, und beide sagten: Mir muß das lebendige zuertheilt werden. Da sprach Salomo: Holet ein Schwert herbei und zertheilt das Kind und es nehme eine jede sich die Hälfte. Die eine war damit