Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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214 l. 5, Getheiltes VolksLhum. Die Geschichte eines Staates oder Volkes hat aber noch viele Factoren, die Mitwirken, und wenn auch die Verwirklichung des Gottes;- begriffes die eigentliche Ausgabe war, so gab es im jüdischen Staate doch eine allgemeinere Geschichte, und diese ist uns nur in Trümmern zugekommen, wir müssen sie crrathcn, uns zusammensnchen. Das Volk lebte in Stämmen, das zeigt sich uns inuner. Jeder einzelne Stamin bleibt lange Zeit ziemlich selbständig, diese Stämme verbauden sich zu kleineren Ganzen. Von diesen Gruppirungen erfahren wir Verschiedenartiges: eine Gruppirung in vier Theile; es ist die Abstammung nach den vier Müttern, die dem Volke schon eine gewisse Theilung aufdrückten und einen jeden Theil für sich als zusammenhaltend kennzeichnen. Neben dieser Theilung finden wir noch eine andere Gruppirung. Die Stämme, wie sie in der Wüste lagern, ziehen immer je drei unter der Fahne eines Hauptstammes; aber auch von dieser Viertheilnug erfahren wir sehr wenig. Hingegen zeigt sich eine andere Theilung schon von der ersten Zeit an als maßgebend. Ich sage: von der ersten Zeit an, denn es ist ein sehr bedeutendes Wort, das die alten. Lehrer aussprechen: Die Erzählung von den Erzvätern, von den ersten Begründern Israels, hat hohe Bedeutung für die Geschichte der späteren Zeit. Es werden die Züge hervorgehobcn, die maßgebend sind für die spätere Geschichte. Da stehen nun von vorn herein als Hauptstämme Rüben, Ephraim, Juda. Rüben, der Erstgeborene, der die Berechtigung hat, aber dennoch nicht anerkannt wird; er zeigt sich als derjenige, der zuerst seßhaft wird, zuerst Land sich erwirbt und so eine Bedeutung erlangt über die andern Stämme, und er entbehrt dennoch des Vertrauens. Er beansprucht wohl Vorrang, er sucht sich — so heißt es vom alten Rüben, und das ist das Charakteristische des späteren Stammes — das Kebsweib seines Vaters anzueignen und so die Herrschaft sich zu erwerben. Als Absalom sich die Herrschaft seines Vaters David anmaßen will, sagt der schlaue Rathgeber Achithophel zu ihm: Komm zu den Kebsweibern Deines Vaters, dann hört ganz Israel, daß Du gebrochen hast mit Deinem Vater, und es erstarken Deine Anhänger. Als Adoniah, der unter David gleichfalls die Herrschaft sich zuwenden wollte, ohne daß sein Beginnen glückte, nach dem Tode Davids die Erlaubniß erhält, im Lande zu weilen, geht er zur Bath-Seba, der Mutter Salomo's, und sagt zu ihr: Laß mir doch durch Salomo die Abischag, die Sunamiterin, die zuletzt um David war, zum Weibe gehen. Pies scheint ihr ein ganz unschuldiges Pflanzen und Bath-