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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 213

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 213 (sequence 53)
Language
German
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1. 5. Geteiltes VolksLhum. 213 die Kraft erschöpft war und die Eigenthümlichkeit zu erlöschen anfing, da kam ein roherer Stamm, der makedonische, und fügte sie nun in eins zusammen, breitete die schalen Ueberreste griechischer Bildung über die Welt aus, aber das echte Griechenthum war es nicht mehr. Das Griechenthmn ist darum nicht untergegangen, es ist immer wieder aufgelebt, um die Welt zu erfrischen, sein Geist ist nicht gestorben, wenn auch das Volk untergegangen ist, wenn auch der Staat mmmer eine wahre Einheit darstellte. Es ist in ähnlicher Weise, wenn auch nicht so umfassend, mit den italienischen Staaten des Mittelalters gegangen. Es sind Staaten, klein an Gebiet, aber groß in ihrer Eigenthümlichkeit, die so scharf ist und so tief sich eingrabend Ln die culturhistorische Entwickelung der Völker, daß ein jedes seine Eigenthümlichkeit zu wahren entschlossen war, so daß es nicht zu einem geeinigten Gesammtstaate gelangen konnte. Ob Piemont nun dazu bestimmt ist, der italienische Maeedonier zu werden, das liegt im Schooße der Zukunft. Ob anch Deutschland gleichfalls ein solches Bild uns darbietet, ob auch ihm die culturhistorische Stelle in der Geschichte geworden ist, und ob deswegen ein jeder Stamm darauf bedacht ist, die Selbständigkeit sich zu wahren, so daß sie zu einer Einheit, die sie aus dem Tiefsten ihres Innern ersehnen, dennoch nicht gelangen können? ob das deutsche Volk wirklich nicht die Aufgabe hat, ein größerer Staat zu werden, sondern ein großer geistiger Factor in der Menschheit? Nun, das schlechteste Loos ist es keineswegs, das einem Volke werden kann, obgleich cs schmerzlich und tief betrübend ist für diejenigen, die mit inniger Liebe am Vaterlande hangen und nicht blos seine geistige Bedeutung wünschen, sondern auch seine volle eingreifende Macht. Doch dem sei, wie ihm wolle, Israel war ein solches Volk. Auch Israel hatte eine Idee, die sein Volksdasein überschritt, und gerade deshalb prägte sich wiederum in den einzelnen Stämmen diese Idee in verschiedenartiger Weise aus, und so konnte es zu keiner inneren Einheit des staatlichen Lebens gelangen. Die alte Geschichte des jüdischen Volkes ist uns sehr trümmerhaft zugekommen, blos nach gewissen Gesichtspunkten von den Berichterstattern aufgefaßt und wiedergegeben; ein großer Theil ist uns vom Standpunkt dessen, der zuletzt der siegreiche blieb, dargestellt, nämlich von dem des Stammes Juda, der allein zuletzt noch sich erhielt. Die Geschichte ist zunächst immer von dem Gesichtspunkte aus geschrieben, in wiefern das Volk sündig war oder nicht, in wiefern die Könige fromm oder abgefallen.

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