Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i. 8. Getheiltes Volksthum. 212 Träger, und diese müssen in sich geschloffen sein, wenn sie nicht zerstreut werden^ wollen. Die Idee des Judenthums ist eine die Menschheit umfassende, sie bedurfte aber eines einzelnen Volkes, das sie zunächst ins Leben einsührte. Daß dadurch manche Widersprüche sich kundgaben, daß allgemeines Menschthum und Nationalität in Widerstreit geriethen, davon haben wir Einzelnes schon zu beleuchten gesucht. Es knüpft sich hier aber noch ein anderer Gedanke daran. Es ist das Loos der tiefer auf die Gesammtheit einwirkenden culturhistorischen Völker, daß sie bei aller geistig mächtigen Einheit zu einer wirklich vollkommenen staatlichen Einheit nicht zu gelangen vermögen. Ein Volk, das keine so glänzende Mission hat, schließt sich enger, leichter zusammen zu der Aufgabe, die ihm geworden. Jedes Volk besteht zwar aus einzelnen Stämmen, aber der gebildetere, kräftigere erhebt sich dann und sammelt die andern unter sich, und so wird es eine Einheit. Völker aber, die von tieferem Geiste durchdrungen sind, eine mächtigere Idee in sich tragen, können zu einer solchen Einheit weniger gelangen. Sehen Sie das griechische Volk an! Das Dorische, das Ionische, das Attische, das Lacedämonische, jedes hat ein griechisches Gepräge, cs zeigt sich darin die Macht des griechischen Geistes; allein dieser Geist war ein zu umfassender, als daß er sich nicht hätte mannigfach ausprägen sollen, es hat jedes seine scharf geschnittene ELgenthümlichkeit und es läßt sich das Eine nicht durch das Andere verwischen. Das griechische Volk gelangte nicht zu einer Einheit, ein jeder Stamm will sich besonders wahren. Es ist allerdings eine geistige Einheit in ihm vorhanden, und diese geistige Einheit ist sicherlich mächtig genug und wußte Widerstand zu leisten gegen feindlichen Anprall. Es erzählt uns die Geschichte nicht davon, wie persische Diplomaten mit stiller Verachtung dieses kleine Volk betrachtet haben mögen, und mancher Staatsmann mag gesprochen haben, wie doch Hellas nur ein geographischer Begriff sei, wie es nur einzelne Stämme seien, die man leicht überwältigen könne. Aber an diesem geographischen Begriff stolperte das gewaltige Perserreich und wäre fast daran zu Grunde gegangen, und von den Persern, von diesem mächtigen Reiche, würden wir kaum etwas Näheres wissen, wenn nicht eben jenes Hellas uns Nachrichten von ihm überliefert hätte, und zugleich das geknechtete und verachtete Judäa. Die Einheit ist demnach allerdings eine mächtige und das Volksbewußtsein war in ihm lebendig, aber zu einer wahrhaft staatlichen Geschlossenheit gelangte das griechische Volk nicht, und nur dann, als