Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 211 (sequence 51)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2420979-2420982--0545-2421623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

h s. PtiesterLhum. 211 des Judenthums. Als dann durch die Einheit des Tempels jedenfalls der Götzendienst gebeugt wurde und derjenige Theil des Priesterstandes, welcher diesem Tempel angehörte, zu einem höheren Ansehen gelangte, war eine Zeit lang das Priesterthum wohl in hohen Ehren, so daß bei der Rückkehr aus dem babylonischen EM auch die׳ Nachkommen der Priester zu Herrschern wurden. Allein sie erhielten sich nur eine kurze Zeit, sie bewährten sich auch diesmal nicht- und wiederuln trat der Kampf gegen sie mit aller Entschiedenheit auf, und wiederum erschallt das Wort in einem der späteren Bücher: Gott hat ja Allen gegeben das Erbe, das Königreich, das Priesterthum und die Heiligung! Das ganze Volk gleich! Und wiederum sprechen es alle die älteren Schriften aus jener zweiten Periode aus, daß-die Priester im zweiten Tempel sich nicht bewährt haben, daß sie selbstsüchtig seien, arm an religiöser Erkenntniß. Wie in dem ersten Tempel neben den niedrig stehenden Priestern die großen Gottesmanuer, die Propheten, sich,erhoben, die keine priestccliche Function bekleideten, nicht aus dem. Priesterstamme hervorgingen, so im. zweiten Tempel neben den Priestern die Gelehrten, die Männer des Wortes und der Erkenntniß, Männer, aus den untersten Klassen des Volkes entsprossen, aber von dem Gottesgeiste durchdrungen. Auch das Priesterthum ist mit dem Tempel gefallen, und wenn auch einzelne Trümmer des zusammenstürzenden Baues sich erhalten haben, wenn gewisse Einrichtungen, die daran sich knüpfen, noch jetzt schwächlich fortbestehen, so sind es eben Trümmer, die als Erinnerung an das Alterthum ihre Bedeutung wohl haben mögen, - die aber die tiefere Wurzel des Judenthums, die wahre jüdische Frönnnigkeit nicht berühren. So tritt die wcltumbildende Idee des Judenthums in die Erscheinung. Ich habe in einzelnen Zügen die innere Macht, den In» halt derselben, sowie einzelne ihrer wichtigen Aeüßerungen im Leben Ihnen vorzusühren gesucht. Diese weltumbildende und bewegende Idee des Judenthums bedurfte natürlich, wenn sie in die Erscheinung treten wollte, einer gerüsteten Schaar, die auch ihre Waffen führte, es bedurfte einer größeren Einheit, die die Fahne ihrer Idee hoch emporhob, bereit zum Siege oder zum Tode, es bedurfte eines geschlossenen Volkswesens, einer innig in sich verketteten Zusammengehörigkcit, wenn die Idee als eine berechtigte Macht austrcten wollte. Das ist der Widerspruch, der bei allen Erscheinungen der Geschichte sich kundgiebt, Die Ädee ist eine umfassende, aber sie bedarf der U'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.