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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 210

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 210 (sequence 50)
Language
German
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ÄiO i v. Priesterthum. geopfert, aus der Asche, in dem nach der Höhe wirbelnden Rauche des Opferthieres steigt ein Götze empor. Der Opferdienst, wo er herrschend ist, verlangt auch eine besondere Art der Ausführung, er verlangt auch besonders damit Beauftragte, es müssen ganz besonders dazu bestimmte Personen sein, die es verstehen, das Opfer darzubringen, die sich dazu angeschickt, sich gereinigt, geweiht haben, um so auch den Göttern oder Gott besser entgegentreten zu können. Die Gottesverehrung durch Opfer ist die Mutter eines besonderen Priesterthums; wo Opfer sind, da sind auch Priester nöthig, Bedienstete, die es verstehen, die Götter zu besänftigen, ihnen in der rechten Weise nahezukommen. Aber auch das Priesterthum in seinem Zusammenhänge mit dem Opferdienst ist gleichfalls nicht rein aus der Wurzel des Judenthums entsprossen. Schon von vorn herein, noch bevor die zehn Worte gesprochen, läßt Gott durch Moses dem Volke sagen: Ihr sollt mir allesammt sein ein Reich der Priester und ein heilig Volk! Das sind die Worte, die Du sprechen sollst zu den Kindern Israelis. Allesammt Priester! In der Religion des Judenthums bedarf es nicht der Vermittelung besonderer Personen, ein Jeder sei selbst sein Priester, selbst sein Mittler zu Gott. Das Priesterthum ist gleichfalls nur im Judenthume geduldet worden, und wiederum geht der Kampf gegen dasselbe die ganze Geschichte des Judcnthums hindurch. Es ist nichts Vereinzeltes, wenn uns Züge mitgetheilt werden von Unzufriedenheit mit dem Priesterthume in der ersten Zeit seiner Begründung, wie in der späteren Zeit, es ist charakteristisch für das jüdische Volksleben. Auf der einen Seite ist das Bedärfniß dazu vorhanden, das Volk steht einmal auf dem Standpunkt des Opferdienstes, da müssen auch Priester sein, und weil sie sein müssen, sollen sie auch in besonderer Reinheit dastehcn, nicht Götzenpriester, sondern Priester des wahren Gottes, so daß sie als solche durch sittliches Streben, durch ernstes Ringen nach Selbstheiligung dem Volke vorangehen können. Allein es haftet einmal an jeder Einrichtung, die blos eine Nachgiebigkeit gegen die Schwäche der menschlichen Natur ist, der Makel ihres niederen Ursprunges. Die Priester bewährten sich nicht während der ersten Zeit im Judenthume, immer kämpfen die Propheten gegen die Priester. Die Priester sind Verächter meines Namens! Priester wie Volk gleich sündig! Sie werden bezeichnet und geschmäht als solche, die eigennützige Absichten verbanden mit ihrem hohen Dienst. Das Priesterchum ist also ein geduldetes und keineswegs ein integrirender Theil

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