Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. «. Opferdienst. 209 das Opfer eingeschrumpst sind, nur kurz angedeutet, als etwas Gebräuchliches, aber nicht mit der Umständlichkeit, den ein solch wichtiger Theil des Gottesdienstes, wenn er ein gebotener wäre, zu beanspruchen berechtigt ist. Das Opfer ist ein geduldetes im Judenthume gewesen, und wie bald schwindet es auch dahin! In der Zeit des zweiten Tempels erheben sich die Häuser des Gebetes mächtig, mit einer siegenden nebenbuhlerischen Kraft neben dem Tempel zu Jerusalem, der den Opferdienst beibehielt und der als das Symbol des einheitlichen Staates seine Bedeutung sich wahrte, während die eigentlichen Gottes- Häuser sich zur geistigen Bedeutung über diesen Tempel erhoben. Und als dieser zerstört wurde, wurde unter seinem Schutte auch der Opferdienst begraben. Schon früher ist der Gedanke betont worden: Was in einer Religion wahrhaft wurzelt, das läßt sich ihr nicht nehmen, mögen auch die Umstände noch so ungünstig sein, es kämpft der ganze innere Geist dagegen und sucht es zu erhalten, und kann er es nicht Ln der alten Weise, so sucht er es in einer Umgestaltung zu wahren. Es ist, als wenn die ganze Wurzel beschädigt werde, und da heißt es: Entweder ganze Auflösung oder Bewahrung mit seinen naturgemäßen Aeußernngen. Als das Heidenthum siel in seiner Aeußerung, da fiel es auch in seiner ganzen inneren Ideenbegründung. Wäre das Opferthnm nun ein nothwendiges im Judenthum gewesen, so würde es sich sicherlich, als der Tempel sank, erhalten haben, und Versuche wurden auch gemacht. Aber der Gedanke war vollständig erschöpft, das Opfer hatte seine Bedeutung im Innern der Gemüther schon längst verloren, es war eine Gewöhnheit, die sich forterbte, eine Einrichtung, an die manche staatliche Institution sich anlehnte, mit der so viele Träger ihr Ansehn verknüpft hatten, die daher nicht mit einem Male gestürzt werden konnte. Aber wie der Sturm hereinbrach, da war der entwurzelte Stamm ein Spiel der Winde, und das Opfer ist Ln Israel geschwunden und bleibt geschwunden. Eine jede Begründung der Religion auf Opferdienst, auf irgend ein Opfer, das einmal dargebracht wird, sei es ein menschliches, etwa gar ein göttliches, oder ein thierisches, ein jeder sehnsüchtige Rückblick auf den früheren Opferdienst, als auf eine höhere und vollere Lebcnsäußerung, ein jeder Ausspruch, daß der Opferdienst nun einmal geschwunden sei und daher ersetzt werden müsse durch ein Gebet, eine jede solche geistige Anerkennung des Opferwesens ist ein Rückfall Ln das Heidenthum. Mit dem Thiere, das als gottesdienstlich dargebracht wird, wird zugleich die höhere religiöse Erkenntniß DierteljahnSschrist. H. 3, 4. 14