Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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208 5 .ז. Öpferdienst^ eines niedrigen religiösen Bewußtseins, auch das thierifche Opfer ist das Bestreben, wohlgefällig zu werden durch die Entäußerung irgend eines Eigenthums, ohne daß damit eine sittliche Umwandlung bezweckt, ohne daß die Veredelung gefördert werde. Auch das thierifche Opfer ist nicht der Wurzel des Judenthums entsprossen, es ist geduldet worden, aber auch blos geduldet, bekämpft immer von den Edelsten und Besten Ln Israel, seinen Propheten, die es mit den schärfsten Worten in seiner Niedrigkeit bezeichnen. ״Womit", so spricht der Prophet Micha, ״womit soll ich Gott entgegcnkommen, mich beugen vor dem Gotte der Höhe, soll ich ihm cntgegenkommen mit Brandopfern, mit jährigen Kälbern?" Hat der Herr denn Wohlgefallen an Tausenden von Widdern, an Myriaden von Oelströmen? ״Nun, dann soll ich Ihm wohl meinen Erstgeborenen für meinen Frevel darbringen, die Frucht meines Leibes zur Sühne meiner Seele?" Er hat Dir verkündet, o Mensch, was gut ist und was Gott von Dir verlangt: Gerechtigkeit üben, Milde und Wohlthun lieben und bescheiden wandeln vor und mit Deinem Gotte! Das ist das Manifest des Prophetenthums gegen das Opfer, und dieses Manifest wiederholt sich vielfach, wird überall mit andern Ausdrücken in ähnlicher Weife bezeugt. Wozu mir, spricht der Herr, die Fülle eurer Opfer, ich bin übersatt der Brandopfcr von Widdern, des Fettes der-Gemästeten, begehre nicht Blut der Stiere, Lämmer, Böcke! Willst Du mir Opfer darbringen, spricht der Psalmist, hungere ich? Und hungerte ich, brauche ich cs Dir zu sagen? Ist mein nicht das Gethicr auf tausend Bergen? Weg mit den Opfern! Und Jeremias spricht mit trockener Nüchternheit, aber wahrlich mit einer fast auffallenden Entschiedenheit aus: Ich habe nicht geredet, spricht der Herr, und nicht befohlen euren Vorfahren, da ich sie herauszog aus dem Lande Aegypten, in Betreff des Brandopfers und Schlachtopfers. Klarer, entschiedener kann es nicht ausgesprochen werden. Freilich, das Opfer war in der alten Zeit so tief in das allgemeine Bewußtsein eingegangen, so der entsprechende Ausdruck des blos natürlichen religiösen Bewußtseins, daß es auch in Israel Eingang fand, und wie alles Leibliche einen großen Raum einnimmt, das Geistige aber, ein Flüchtiges, im Raume sich nicht sichtbar macht, so mag freilich die Gesetzgebung über die Opfer einen sehr großen Raum einnehmen, aber dennoch ist sie nur der Ausdruck eines Geduldeten. Und wollen Sie noch einen starken Beweis dafür, so sehen Sie, wie da, wo die Gebote wiederholt werden, im 5. Buche Mosis, die Vorschriften über