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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 206

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 206 (sequence 46)
Language
German
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206 1. s. Opferdienst. faltet, ist das Menschenopfer, und zwar dann derjenigen Menschen, die uns am nächsten stehen, am liebsten sind. Das rohe Heidenthum opferte den Göttern die Kinder. Das Liebste und Wertheste, was ich habe, — das drückt das Opfer aus, — bringe ich meinem Gotte dar, und er wird Wohlgefallen daran finden, da ich nicht anstehe, wegen seiner eine jede Regung und Empfindung in mir abzutödten, zu seinem Wohlgefallen das Theuerste mir zu entziehen. Es ist eben das niedrigste religiöse Gefühl, das darin sich ausdrückt, eine vollständige Verkennung des göttlichen Wesens, das versöhnt werden muß durch knechtische Entwürdigung, auferlegte Härte. Auf dieser Stufe fürchtet man in der Gottheit das Grausame und Willkürliche und nährt dadurch auch Grausamkeit und Willkür in dem Menschen. Das war die Religion, die Israel umgab, die Gottcsverehrung oder Götterverehrung unter jenen Völkern, welche zuweilen über Israel herrschten, immer aber doch so nahe es begrenzten, daß nothwcndig diese Gesinnung hier bekannt wurde und auch hie und da Einfluß auf es ausübtc. Der Molochdienst war bekanntlich ein solcher Dienst, der Menschenopfer verlangte; im Feuer seine Kinder verbrennen, war der schreckliche Opferdienst, wie er als Gottcsverehrung bezeichnet wurde. Das Judenthum führt einen energischen Kampf gegen diese Herabwürdigung des göttlichen Wesens; gegen diese Art des Opferdienstcs kennt es kein Erbarmen. Allerdings, es sind auch die Spuren davon in seine Geschichte eingegraben, er ist nicht ohne Einfluß geblieben auf die schwachen Gcmüther innerhalb Israels, die in dieser Selbstbekämpfung der zärtlichsten Gefühle einen Act der Hingebung an Gott zu sehen glaubten; aber mit welcher Entrüstung kämpfen die Propheten gegen diesen wildesten Ausbruch des rohesten Heidenthums! Schon an der Schwelle des Judenthums läßt es im Innern des einzelnen Stammvaters diesen Kampf führen und siegreich überwinden. ״Elohim versuchte den Abraham." Verschiedene Gottesnamen sind in der heiligen Schrift gebräuchlich, und die alten Lehrer geben uns dafür eine sinnige Erklärung: Elohim heißt Gott als der Mächtige, der Strenge, der gleichfalls in Gott verehrt wird, wie auch die andern Völker dies in ihm Ln irgend einer Weise anerkennen; aber der andere Namen ״Er ist", wie wir früher schon ihn kennen gelernt, der Unaussprechliche, das ewige Sein, das allem irdischen und geistigen Sein zu Grunde liegt, ״der Gott der Geister für alles Fleisch", er ist der Gott des Erbarmens, des Wohlwollens, der

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