Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 5. Opferdienst. 20S welche unter ihnen stehen. Das Volk, das blos noch zuerst einen religiösen'Instinkt hat und nicht zu religiöser Klarheit sich emporgearbeitet hat, nicht von einer höheren Idee durchweht ist, erkennt in Gott zunächst den Mächtigen, es fürchtet sich vor der Gewalt, die sich über ihm zeigt, die es Niederdrücken kann; vor dieser Macht beugt es sich, gerade wie auch vor dem höherstehenden Menschen, aber es zeigt auch andererseits in seiner Behandlung derjenigen, welche es als sich Untergeordnete betrachtet, wie tief es noch in sittlicher Beziehung dastcht. Darum zeigt sich uns in dem Verhältnis zum Sclaventhume, zu dem schwächeren Geschlechte gerade die Höhe oder Niedrigkeit des religiösen Bewußtseins. Das Judenthum, — das war der Zweck der Erörterungen, die vorangegangen sind — das Judeuthum bewährt sich als eine Religion, die in Gott den Heiligen, das Ideal der sittlichen Reinheit verehrt, dadurch, daß es auch Ln seinen menschlichen Verhältnissen immer den sittlichen Werth hervorhebt, daß es nicht blos den Mächtigeren als den allein Berechtigten anerkennt, sondern ihm nur soweit die Macht gewährt, als er das. Recht dazu hat. Das Recht, die reine, gegenseitige sittliche Bezieziehung, sie sind ihm das Höchste, der Maßstab, nach dem es seine Verhältnisse abmißt. Diese Verschiedenheit der Stufe, auf welcher die Völker sich befinden, muß sich namentlich kundgeben in der Gottesverchrung; Ln der Art, wie man Gott naht, muß es sich entscheiden, ob man Ln Gott nur die höhere Macht ahnt, vor ihr zittert, sie zu versöhnen versucht, oder den Heiligen ehrt, zu ihm emporblickt, als zu dem Vorbilde der höchsten Sittlichkeit, dem reinsten Ausdrucke des Erbarmens und des Wohlwollens. Wo in Gott zunächst die Macht anerkannt wird, ist das Streben vorherrschend, ihn sich wohlgeneigt zu machen; man beugt sich vor ihm, damit er nicht seinen Zorn ergieße, man versucht, sich solche freundliche Gesinnung zuzuwenden mit irgend welcher äußerlichen That, ihn durch Geschenke, die man ihnr darbringt und die mit Entbehrungen verknüpft sind, sich geneigt zu machen, das Uebelwollen von sich abzuwenden. Das ist der Ursprung des Opferdienstes. Das Opfer ist das Bestreben, durch irgend etwas, was man sich entzieht, und sei es auch das Liebste, den etwaigen Zorn des Gottes zu dämpfen oder ihm doch jedenfalls zu zeigen, wie man ihm tief unterwürfig ist, da man ja Alles hingiebt, wenn es ihm ein Wohlgefallen ist. Der roheste Ausdruck eines solchen Gefühls, das auf der untersten Stufe des religiösen Lebens sich ent-