Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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204 I. 5, Opferdienst. umher die entgegenstehende Sitte herrschend war; aber dem tieferen Wesen des Judenthnms entspricht allein die Monogamie, entspricht allein die Innigkeit zwischen Mann und Weib. Es ist daher ganz natürlich, daß Ln der späteren Zeit, als auch die äußeren Einflüsse anders wurden, in Europa ein Lehrer austrat, der den Bann aussprach gegen Jeden, der das Naturgesetz des Judenthums verletzen wollte. Und in solchen Ländern, wo die Polygamie herrscht, hat das Judenthum sie dennoch schwinden lassen, und wenn es sie auch nicht gerade durch das Gesetz untersagte, die Sitte, der lebendige Geist, wie er stets im Jndenthum herrschend war, hatte längst das gesetzlich Gestattete untersagt. In solchen Früchten zeigt sich der liefere Kern des Judenthnms, und so ist allezeit in ihm ein edles Familienleben gepflegt worden. Freilich, einen Licbeshos, ein Spielen mit der Minne kannte das Judenthum nicht, ebensowenig wie es sich Ln ein Mysterium der unbewußten Jungfräulichkeit, die dennoch mütterliche Gefühle Ln sich trägt, versenkt. Gesund und urkrästig, rein und frisch sprudelte immer jener reine Quell, der aus dem Hause über alle Lebensverhältnisse sich ergießt; das reine Familienleben hat Israel zu aller Zeit frisch und kräftig erhalten. Hat dieses im Drucke es emporgchoben, so wird cs ihm auch zu besseren Zeiten nicht entgehen, und das Wort wird eine Wahrheit bleiben, wie Bileam cs aussprach, als er Israel sah nach seinen Stämmen gelagert: Wie schön sind Deine Zelte, Jacob, Deine Wohnungen, Israel! 5. Opferdienst und Priesterthum; getheiltes Bolksthnm. Der Gottesbegriff eines Volkes ist zugleich der Maßstab für seine sittliche Anschauung und ebenso umgekehrt. Die höhere oder niedrigere sittliche Bildung eines Volkes ist die Besiegelung seines mehr oder minder geläuterten religiösen Bewußtseins. Wie der einzelne rohe Mensch, so ehrt auch das minder gebildete Naturvolk blos die stärkere Macht. In der Gewalt, die cs entweder über Andere hat oder die Andere ibm gegenüber geltend machen können, liegt die Werthschätzung, die es für sich selbst in Anspruch niuunt oder Anderen beweist. Nicht das Recht, nicht die sittliche Würde, nicht die Reinheit der Gesinnung hat bei ihm eine Geltung, es ist vorzüglich und wesentlich die rohe Gewalt, die irdische Macht. Der ungebildete Mensch, wie das Naturvolk beugt sich tief, vor demjenigen, der über ihm steht, der seine Macht ihn oder cs fühlen lassen kann, und andererseits sind sie auch wiederum hart, tyrannisch gegen diejenigen.