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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 203

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 203 (sequence 43)
Language
German
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1. 4. Frauen. 203 Liebe bezeichnet wird? Zu einer Zeit, die von außen her drückend beeinflußt war, wo nicht die Weihe der Sinne, sondern die Unterdrückung derselben, nicht die Verklärung des natürlichen Lebens, sondern dessen Abtödtung als Frömmigkeit betrachtet wurde, da konnte man flch nicht hineindcnken, daß dieses Büchlein, seinem natürlichen Sinne nach, eine schöne, reine Liebe feiern solle. Gesetzt auch, es trüge noch einen sogenannten lieferen Gedanken in sich, so viel bleibt sicher, auch das Bild muß eine Wahrheit haben, wenn es ein höheres Verhä'ltniß abfpiegeln soll. Jedoch, wie ein neuerer geistvoller Forscher sagt, als der Dichter sang, da war die Sprache noch nicht den schmerzhaften Tod der heiligen gestorben, da war noch frische Lebendigkeit in ihr, da quoll auch aus des Dichters Brust noch der Gesang, der die Liebe verherrlicht. ' Und so finden wir in diesem Büchlein allerdings manche sinnliche Ausschmückung, aber wie tief wird das höhere edle Verhältniß der Liebe dargestellt, welche Innigkeit liegt nur in den wenigen Worten: Ich schlafe und mein Herz wacht! Da ist eine Welt von Empfindungen ausgedrückt, und ohne hier weiter einzugehen in die Darstellung des Buches, — wer es mit reinem Sinne liest, findet, daß tiefe Empfindungen edel in ihm ansgedrückt werden. Natürlich auch, daß der späte Spruchdichter eingeht auf die Betrachtung des wackeren Weibes, und der Schluß der Weisheitslchren ist zu seiner Verherrlichung bestimmt: Ein wackeres Weib, wer findet cs? Höher denn Perlen ist sein Werth. Wer findet es, das will nicht bedeuten, es sei selten, nein, er beschreibt cs mit Liebe und Freundlichkeit, aber wer es findet, der hat ein köstliches Gut gefunden. Und so schließt er dann: Es erheben sich ihre Söhne und preisen sic, ihr Mann und rühmet sie: Trügerisch ist Anmuth, vergänzlich Schönheit, ein gottesfürchtig Weib, es wird gerühmt. Nur der grübelnde, trübsinnige Kohelet, der unter tausend Männern kaum einen einzigen erträglichen findet, er findet allerdings unter tausend Frauen auch nicht eine, die ohne Fallstrick und List wäre. Aber im Allgemeinen ist das nicht der Gedanke, der das Judenthum durchzieht, und wenn auch einzelne orientalische Anschauungen sich einmischen, so bleibt doch die reine Werthschätzung des Weibes, die sittliche Höhe des ehelichen Lebens der Grundgedanke. Das Judenthum lehrt die Ehe des einen Weibes mit einem Manne, die Monogamie. Wenn auch hie und da Ausnahmen erscheinen, so. sind es eben Ausnahmen, so ist es eben, daß das Gesetz ׳״ckt geradezu einschreitend cingreifen mag zu einer Zeit, wo rings

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