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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 202

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 202 (sequence 42)
Language
German
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202 1. 4. Frauen. hier, bald dort trat ein Richter auf, ward das Lichtlein, angezündet; da tritt uns wiederum eine schöne Gestalt entgegen, Deborah, die Prophetin und Richterin, ein muthiges, kühnes Weib, eine Hegeisterte Anführerin, und dennoch mit dem vollen Bewußtsein des Weibes. Sie will nicht amazonenmäßig in den Krieg hineinziehen, sie sagt es dem Barak: Es wird Dein Ruhm nicht sein, daß durch die Hand eines Weibes Gott den Sieg verschafft. Doch, wie er den Kampf nicht ohne sie unternehmen will, nun dann zieht sie mit und gewinnt den Sieg, und in begeisterten Worten verkündet sie es dann, strafend, lobend, als echte Prophetin Gottes. Und später, als diese Zeit um war und ruhigere Verhältnisse sich gestalten wollten, an der Schwelle dieser Epoche begegnet uns wieder ein Weib, vor der wir in Ehrerbietung stehen. Es ist Hanna, die Mutter Samuel's. Mit der ganzen weiblichen Sehnsucht beklagt sic es, daß ihr Kinder versagt seien, und sie steht in Innigkeit und betet aus der Tiefe des Herzens: ״Denn ich bin ein Weib beschwerten Gemüthes." Und Elkana, ihr Mann, tröstet sie: Hannah, warum weinst Du und warum ist Dein Herz betrübt? bin ich Dir nicht mehr werth als zehn Kinder? Welch' eine Innigkeit in diesen kurzen Worten! Und Ruth, welch' eine liebliche Gestalt! Es ist ein Juda'cr HLngczogen in die Fremde, und dort schließen sich seinen beiden Söhnen zwei Schwiegertöchter an; aber der Mann stirbt, die Söhne sterben auch und kein Kind bleibt ihnen. Die Mutter Naomi kehrt zurück, und die zweite Schwiegertochter, — die eine, Orpah, ist zu sehr Moabiterin, als daß sie mit ihr ziehe, sie verläßt sie, als sie fortzieht — Ruth, schließt sich an Naomi an: Nein, wo Du übernachtest, da übernachte auch ich, Dein Volk ist das meine, Dein Gott mein Gott, und sie folgt ihr als ein gehorsames Kind, bleibt ihre Tochter, sorgt freundlich für ihr Alter, ist ihr liebevolle Begleiterin; ist sie nicht würdig, die Ahnmutter des David zu sein? Dies Alles wird so kindlich ohne Prunk dargestcllt, weil es so tief Ln der Natur Jsrael's liegt; cs muß hervortreten, und oft erfahren wir es blos als unscheinbaren Darf es nun wundern, wenn in diesem Volke, in dem — ein seltenes Beispiel des Alterthums — das Weib nicht geringschätzig behandelt wurde, sondern sein wahrer Werth anerkannt worden ist, darf es uns wundern, wenn Ln diesem Volke bei einem kargen Schriftthume, in dem lediglich dem religiösen Leben oder der Geschichtserzählung gewidmeten Schristganzen dennoch sich ein Büchlein findet, das als Lieder der

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