Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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200 1. 4. Frauen. aufrecht erhalten werde. Die ganze Frage besteht darin, ob der Sclave, der entflohen ist m jene Gegend, ausgeliefert werden müsse, ob es nicht Diebstahl sei, wenn man ihm einen Aufenthalt gestatte außerhalb, ob da nicht das Recht gekränkt, die Begriffe aller Geruchtigkeit erschüttert würden. Diese Frage einer peinlichen religionslosen Gewissenhaftigkeit hat das Judenthum vor drei Jahrtausenden gelöst, und wenn cs durchgedrungen, sein Geist überall ein lebendiger sein wird, der Geist, der aus ihm sich verbreitet, ganz und ungeschwa'cht übergegangen sein wird, dann wird die Frage entschieden sein, die Wahrheit und das echte Recht, die Menschlichkeit und die Anerkennung eines Jeglichen in seinem menschlichen Werthe werden dann und erst dann siegen über jene Schein-Gerechtigkeit, die sich um so mehr brüstet, je hohler sie ist. Ein Höheres ist noch, wie das Familienleben betrachtet wird innerhalb eines Volkes. Es liegt ein großer Schatten auf dem so schön begabten und so herrlich entwickelten griechischen Volke, daß die Weihe des ehelichen Lebens so wenig in den Vordergrund tritt, daß die Innigkeit in der Familie so wenig ausgeprägt ist; es ist der Werth des Weibes seinem wahren Wesen nach im Griechcnthum nicht nach Gebühr hervorgehobcn worden. Wie anders ist dieses im Judenthume! Von vorn herein tritt der Gedanke uns entgegen: Es verläßt der Mann seinen Vater und seine Mutter und verbindet sich mit seinem Weibe und sie werden zu einem Fleische, zu einer wesentlichen Einheit. Die Ehrerbietung gegen die Eltern, so tief eingepflanzt, so innig genährt und gepflegt, tritt zurück gegen die Innigkeit, die im Hanse Mann und Weib mit einander verbinden soll. Das Weib soll dem Manne folgen : Nach ihm ist Dein Begehr und er soll über Dich herrschen, aber dennoch in voller Ebenbürtigkeit; er verbindet sich mit seinem Weibe, sie werden zu einem Wesen. Und welche edle Fraucngestalten treten uns innerhalb des jüdischen Schriftthums entgegen! Welch ein edles Verhältniß innerhalb der Familien, so schlicht, so anspruchslos, aber doch so groß und Herzerquickend! Die Erzmütter stehen fast auf derselben Stufe, wie die Erzväter; auf sie schaut die spätere Zeit zurück, gerade wie auf die Erzväter. Und welch ein Leben begegnet uns da, wenn wir z. B. Hinschauen aufRcbccka, wie sie zuerst erscheint in unbefangener Jungfräulichkeit, freundlich und wohlwollend, auch dem fremden Manne, auf seine Bitte bereitwillig für ihn schöpft und auch für die Kameele sorgt! Sie-tritt mit ihm in das Haus der Ihrigen, und siehe da!