Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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l. 4. Sklaverei. 199 Schweiße Deines Angesichtes sollst Du Dein Brod essen. Die Menschheit insgesammt aber ist geschaffen im Ebenbilde Gottes, nicht blos der Stammvater dieses oder jenes Volkes, sondern der Stamm- Vater Aller, der auch die ganze Menschheit aus sich hervorgehcn läßt als eine gleich berechtigte. Freilich, daß das Judenthum ganz die Sclaverei breche, sie mit seinem ersten Eintreten in die Weltgeschichte gänzlich vertilge, wäre der Natur und der geschichtlichen Ent- Wickelung der menschlichen Verhältnisse ganz widersprechend gewesen, ein Beginnen, das im Volke selbst und für die Menschheit, welche erzogen und nicht mit einem Male umgeformt werden kann, nicht die beabsichtigten heilsamen Erfolge gehabt hätte. Die Sclaverei wurde also nicht ganz aufgehoben, aber sie bestand eigentlich blos dem Namen nach ohne den wesentlichen Gehalt; der neue Wein, der in den alten Schlauch gegossen, diesen schon zerstören mußte. Im Stamme, im Volke selbst kann von eigentlicher Sclaverei nicht die Rede sein, denn der Sclave diente blos sechs Jahre oder ward schon früher frei, wenn das Jubeljahr eiutrat; er trat dann in seine bürgerlicheu Verhältnisse wieder ein als vollgültig und ebenbürtig. Aber auch die fremden Sclavcn, die wohl geduldet wurden, wie wurden sie behandelt! Die kleinste Beschädigung am Körper des Sclaven, das Ausschlagen eines Zahnes wurde nicht etwa als bloßer Nachtheil betrachtet, den der Eigenthümer sich selbst, seiner Waare zufügte, nein der Sclave ging frei aus. Und wurde gar der Sclave erschlagen, so wurde Strafe geübt an dem Herrn, und welch' ein schönes Wort ist es, das die Sclaverei in ihrer Härte ganz und gar anfhebt: Du sollst den Sclaven nicht ausliefern seinem Herrn, wenn er vor ihm bei Dir sich rettet; bei Dir weile er in einer Deiner Städte/ welche er sich erwählt. Täusche ihn nicht! Mit diesen Worten ist eine Frage gelöst worden vor Jahrtausenden, die heutigen Tages sich blutig eingräbt in einen ganzen Welttheil und ihn zerfleischt, und die Bewohner dieses Welttheils sind Bekenner der herrschenden Religion, von denen die Einen den Glauben umfassen, welcher den Anspruch macht, daß nur in ihn!, sonst in keinem anderen Heil gesunden würde, die Andern an der zähen puritanischen Form mit missionssüchtigcr Propaganda haften. Der Kampf, der dort entbrannt ist, ist nicht einmal etwa um das Wesen der Sclaverei, ob dieselbe stattflnden dürfe; cs haben wohl die Einen sie verworfen für sich, aber sie fanden cs bisher ganz in der Ordnung, daß sie für einen Theil des großen Staates als Grundgesetz