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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 196

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 196 (sequence 36)
Language
German
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196 I. 4. Nationalität. Gut, sondern, wo eine Idee vertheidigt wird, die sie als ihr höchstes Gut ehren, die sie über die Völker erhebt, die bestimmt ist, von dem dazu erwählten Volke über die ganze Erde verbreitet zu werden, darf es uns wundern, wenn mächtig das Feuer in ihnen lodert, sie in Gluth versetzt, wenn sie auch mit Gesinnungen auftreten, die nicht immer das reinste Wohlwollen, die freundlichste Anerkennung gegen diejenigen ausdrücken, die als Verführer das Werthvollste ihnen ranben wollen? Man versetzt sich gar nicht in die Zeit und Lage hinein, wenn man mit der wcichmüthigen Tolcranzidec, die berechtigt ist, wo besonnene gegenseitige Anerkennung und Prüfung herrscht, eine Zeit mißt, in der einmal zwei Gegensätze sich ans Tod und Leben bekämpfen, wenn man mit vornehmer Weichmüthigkeit ein jedes schroffe Wort bcnrtheilen will, von feindlicher Nationalität und Nationalstolz spricht, die übrigens noch jetzt für bedeutend weniger werthvolle Güter auftreten, während es keineswegs lediglich Volksthümliches gilt, sondern Geistesfreiheit zu erhalten, die Wurzel der Wahrheit zu schützen und alle giftigen Einflüsse unschädlich zu machen. Nein, es darf uns nicht befremden, wenn uns mancher gehässige Ausdruck, manche gehässige Vorschrift entgegentretcn; beachtenswerth bleibt vielmehr die Frucht wahrhaft geistiger Kraft, die dem Volke innewohnte, daß unter jenen Kämpfen dennoch das Bewußtsein, die Menschheit zu umfassen und für sie jit arbeiten, nicht ans Israel geschwunden ist, daß bei diesem feindseligen Bestreben, das gegenseitig herrschen mußte, das Wort innner gilt: daß für die Welt dieser Glaube entstanden sei, daß die ganze Erde von ihm umfaßt werden solle. Es zeugt von dem tiefen geistigen Leben des Judenthums, daß diese Reinheit und Klarheit des Blickes nicht völlig getrübt sind. So erhebt cs uns, wenn wir trotz Glasbrüchen der Kampfesbegierde doch wieder jene erquickende geistige Lust einathmen, wie sie von den Worten der Propheten ausströmt: Es spreche nicht der Sohn der Fremde, der sich Gott zugesellt: Mich hält ja doch Gott fern und sondert mich ab von seinem Volke, und nicht spreche der Entmannte (wir haben hier an die Eunuchen des persischen Hofes zu denken): Bin ich ja ein ausgedorrter Stamm. Denn so spricht der Herr zu den Entmannten, die meine Feste hüten, wählen, was ich begehre, und an meinem Bunde festhalten: Ich gebe ihnen in meinem Haus und meinen Mauern Denkmal und Namen, besser als Söhne und Töchter, ewigen Namen, der nicht vergeht. Und die Söhne der Fremde, die Gott sich zugesetten, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, die

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