Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 4. Nationalität. 195 über, wenn auch mancher Erdenstaub dadurch sich ihm angesetzl hat. Einer ganzen Welt, die in andern Anschauungen befangen war, trat ein kleines Nomadenvölkchen entgegen, das eben erst aus einem großen, dem Götzendienste huldigenden Reiche kam. Es mußte eng zusammenhaltcn, wenn es nicht der Wucht der Außenwelt unterliegen sollte; es wollte mit dem Gottesgeiste, der in ihm lebendig angefacht war, einen neuen Glauben verkündigen, ihn aufrecht erhalten und siegreich machen für die ganze Welt. Eine schöne, große, erhabene, aber auch schwere Aufgabe! Eine jede Berührung mir der Außenwclt war ein Fallstrick, ein jedes Wort, das gewechselt wurde mit einem aüßerhalb Stehenden, eine Verführung; ein jedes freundliche Zusammenkommen, ein jedes Mahl, genossen mit ihm, war eine Ent- Weihung, denn es war den Götzen geweiht. So war eine jede engere Berührung ein Frevel, ein Kampf, der ihnen dargeboten wurde von der Außenwelt. Und konnte es im Innern Israels fehlen, daß Manche begierig hinschautcn nach dem, was Glänzendes sie überall umgab? Allerdings, cs war ein lebendiger Geist in dem ganzen Volke, nicht blos in den einzelnen bevorzugten Trägern, die ein Rüstzeug waren, um siegreich die neuen Gedanken in dem entsprechenden Ausdrucke zu befestigen und auszuprägen, er war im ganzen Volke, wenn auch in minderem und schwächerem Grade; aber sollten nicht auch sehr viele gewesen sein, die sich von dem sinnlichen Gepränge, von der Uebermacht, die sie bestach, verführen ließen? Die ganze Geschichte Israelis während der Zeit des ersten Tempels, also während der eigentlichen Gründung des Glaubens, bietet uns eine unzählige Masse von Beispielen des Abfalls, des energischen Kampfes, welchen die wahrhaft Begeisterten, die großen Männer gegen die Versunkcnen führen mußten. Jemehr nun die Verführung Ln Israel selbst eintrat, jemehr die Gefahr drohte, daß der Wurm auch den eigenen gesunden Stamm zernagen werde, um so glühender mußte der Eifer der Besseren werden, um diese Gefahr fernzuhalten; sie mußten mit aller Entschiedenheit, mit einem Feuereifer, der nicht blos erwärmte, sondern das Böse verzehrte, gegen alle Verderbniß, gegen das Einfressen des Uebels auftreten. Dürfen wir uns nun bei einem solchen Verhältniß wundern, wenn wir hie und da einen schroffen, harten Ausdruck gegen andere Völker finden, wenn da auch unerbittliche Entschiedenheit gegen sie gepredigt und auch geübt wird, darf es uns wundern, daß da, wo die Würfel nicht fallen um ein Land, um irgend ein irdisches 13*