Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 194 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2420979-2420982--0528-2421606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

194 I. 4. Nationalität. 4. Rationalität. Selaberei. Stellung der Tranen. Eine jede Neugeburt tritt mit Schmerz in das Dasein, einen jeden neuen Gedanken, der schöpferisch, weltumgestaltend in die geistige Welt cintritt, erwartet ein schwerer und hartnäckiger Kampf mit all jenen geistigen Mächten, die auf ihr Gewohnheitsrecht trotzen und die es wohl fühlen, daß ihnen durch eine mächtigere Kraft der Untergang droht; sie treten gegen ihn auf mit der ganzen Plumpheit und Derbheit des trägen Besitzes, mit der ganzen, heftigen Anmaßung geistiger Hohlheit, die sich so leicht zu herber Schärfe aufstachelt. Die Idee, die ein neues geistiges Leben zu schaffen bemüht ist, will allerdings mit geistigen Waffen kämpfen, sie trägt in sich die Bürgschaft eines sicheren Sieges, es ist ein Unvergängliches in ihr, das allen Schwierigleiten gewachsen ist, allen gefährlichen Hindernissen Trotz zu bieten vermag; aber wenn sie auch leicht beschwingt in die geistige Welt eintritt, wird sie dennoch durch den fortwährenden Kampf genöthigt, auch gröbere, stoffliche Wehr und Rüstung anzulegen, um nicht von vorn herein erdrückt zu werden. Der junge David tritt einen rühmreichen Kampf an, er vollführt ihn auch siegend, da will ihm Saul, der von seinem kühnen Unterfangen hört, Helm, Harnisch und Panzer umlegen; David versucht es, aber er wehrt es dann wieder ab und spricht: Ich bin nicht gewohnt, darin zu gehen. Er geht den Kampf ein gegen Goliath, allein bewaffnet mit seiner Hirtcntasche und Feldsteinen, — und er siegt. Es ist die Zuversicht des kühnen Jünglings, der den Zwang scheut und den freien Leib nicht in Fesseln schlagen will; es ist die Siegesgewißhcit, die in dem Hirtenknaben sich ansprägt, dessen Sinn erwachsen ist und erstarkt in der freien Natur. Aber glauben Sie, daß David, als er dann in den Ernst des Lebens eingeht, es gleichfalls abgelehnt hat, Panzer und Helm zu tragen? Wie er tiefer in den Kampf des Lebens eintritt, da muß er auch den Brauch des Lebens annehmen, wenn er auch des kühnen, jugendlichen Geistes voll ist. Und so geht es auch der Idee, wenn sie lebendig werden soll, daß sie, trotz des geistigen Lebens, das sie in sich fühlt, auch die Waffen führen und in den blutigen Kampf cingehen muß, der ihr von allen Seiten entgegensteht. Der Offenbarungslehre des Judenthums ist der Kampf nicht erspart worden. Im Kampfe erstarkt der einzelne Mensch, er bedarf eines solchen, er wird jedoch von ihm hie und da bestäubt werden. Auch das Judenthum bedurfte eines solchen Kampfes der Welt gegen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.