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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 193

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 193 (sequence 33)
Language
German
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1. 3 Die Offenbarung. 193 warum sollten wir das Wort denn nicht gebrauchen dürfen, da wo wir auf den Urgrund stoßen, auf eine Erleuchtung, die von dem ho- Heren Geiste ausgeht, die nicht erklärt werden kann, nicht ans einer Entwickelung sich zusammensetzt, die mit einem Male als ein Ganzes da ist, wie eine jegliche neue Schöpfung, die aus dem Urgeiste hervorgeht. Wir wollen das Wort nicht in dogmatischer Weise beengen und begrenzen; es mag verschieden aufgcfaßt werden, aber in seinem inneren Wesen bleibt es dasselbe. Es deutet dorthin, wo die menschliche Vernunft in Berührung tritt mit dem tiefen Urgrund aller Dinge. Die alten Lehrer des Judenthums haben es niemals in Abrede gestellt, daß diese großartige Erscheinung doch immer mit einer menschlichen Begabung zusammenhängt. Der Gottesgeist ruht nur, so sprechen sie, auf einem Weisen, auf einem Manne von sittlicher Kraft, der unabhängig ist, weil genugsam durch Besiegung aller Ehrsucht, aller Lust; ein Mensch von innerer Bedeutung, in sich das Göttliche verspürend, er nur ist fähig, das Göttliche in sich aufzunehmen, nicht ein bloßes Sprachrohr, durch das hindurchzieht das Wort, welches gesprochen wird, ohne daß er selbst sich dessen bewußt wäre, nein, ein Mensch im wahren Sinne des Wortes, berührend das Göttliche und daher für dasselbe empfänglich.^ Ein Mann, der ebenso tiefer Denker wie inniger Dichter im Mittelalter war, Jehuda Ha-Levi, bezeichnete die Offenbarung mit Bestimmtheit als eine solche, die in dem ganzen Volke lebendig war. Israel, sagt er, ist das religiöse Herz der Menschheit, das in seiner Gesammtheit die größere Empfänglichkeit stets bewahrte, und die einzelnen bedeutenderen Manner waren die Herzen dieses Herzens. Maimonides sprach von der blitzartigen Erleuchtung, als welche die Offenbarung zu betrachten sei; dem Einen sei die Erleuchtung blos für eine kurze Zeit vergönnt, dem Andern wiederhole sie sich, und wiederum bei Moses sei sie eine andauernde gewesen, eine Erleuchtung, die die Dunkel erhellt, den Menschen in die Verborgenheiten einen Blick thun läßt, der ihm enthüllt, was Anderen verdeckt geblieben. Das Judenthum ist eine solche Religion der Offenbarung, die aus solchen göttlichen Blicken erstanden und das Geschaute zu einem Ganzen verbunden hat; es ist eine Religion der Wahrheit, weil der Blick in das Wesen der Dinge ein untrüglicher ist, das Unveränderliche und Ewige schaut, und so bleibt die Lehre auch eine ewige, und so hat das Judenthum auch seine Aufgabe für die Dauer der Zeiten erfüllt. Vierteljahresschrist. II. 3. 4. 13

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