Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. 3. Die Offenbarung. 189 die Schätze, die bereits erworben sind, es schafft nichts Neues. Anders das Genie. Es lehnt sich nicht an, es schafft, es entdeckt Wahrheiten, die bis dahin noch verborgen waren, es enthüllt Gesetze, die bis dahin noch nicht bekannt waren; es ist, als wenn sich ihm die Kräfte, welche Ln der Natur tief unten arbeiten, in ihrem Znsammenhange, nach ihrem gesetzmäßigen Jneinanderwirken in höherer Klarheit enthüllten, als wenn sie greifbar vor es hinträten, als wenn die geistigen Bewegungen in dem Einzelnen wie in der Gesammtheit der Menschen ihren Schleier vor ihm hinwegzögen, damit es hineinzuschauen vermöge Ln den tiefsten Urgrund der Seele und dort die Triebfedern und Beweggründe sich loszulösen verstände. Das Talent kann geübt werden, es kann sogar durch mühsamen Fleiß erworben werden; das Genie ist eine freie Gabe, es ist ein Gnadengeschenk, ein Mal der Weihe, das eingeprägt ist dem Menschen, das nimmermehr erworben werden kann, wenn es nicht Ln dem Menschen vor- Händen ist. Das Talent kann daher auch den Hindernissen und Schwierigkeiten nicht widerstehen, wenn sie übermächtig gegen es auftreten, wie cs nicht gedeihen kann unter ungünstigen Umständen; das Genie dagegen tritt mit siegreicher Macht gegen die härtesten Widerwärtigkeiten auf, es bricht sich Bahn, es muß seine Kraft entfalten, denn cs ist ein lebendiger Drang, eine Macht, die stärker ist, als der Träger, eine Berührung mit der in der Natur zerstreuten Kraft, die gesammelt sich auf ihm niederläßt, mit dem Allgeiste, der in höherer Erleuchtung sich ihm kundgiebt. Das Talent verbreitet das anfgespeicherte Wissen, vervollkommnet es auch hier und da, macht es zum Gemeingute; das Genie bereichert die Menschheit mit neuen Wahrheiten und Erkenntnissen, es giebt den Anstoß zu allem Großen, was in der Welt geschieht, sich ereignet hat und ereignet. Wenn Columbus eine neue Welt uns entdeckt hat, so war er nicht besonders dazu vorbereitet, nicht befähigt durch größere geographische Kenntnisse, durch reichere Erfahrung, die er auf seinen Fahrten gemacht; sie konnten ihn auch nicht berechtigen zu dem Schluffe, daß ein neuer Kontinent vorhanden sein müsse. Es war ein genialer Blick, der ihm gewissermaßen die Oberfläche der Erde erschloß, es war ihm vergönnt, hineinzuschauen in das Wesen der Erde und zu ahnen, es müsse hier eine solche Welt noch vorhanden sein, und so gestaltete sich in ihm, was als Wissen unvollkommen war, dennoch zur tiefen lebendigen Ueberzeugung, deren Wahrheit nachzuweisen er Alles aufbot. Copernicus war nicht etwa der größte Astronom seiner