Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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188!. 3. Die Offenbarung. niß dafür. Es ist, als schallte es durch alle Propheten, das Wort, das von einem unter ihnen ausgesprochen wird: Meinen Rücken gab ich den Schlägern, meine Wangen denen, die sie rausten, mein Antlitz barg ick nicht vor Schmach und Anspucken. Doch steht Gott, der Herr, mir bei, darum mache ich mein Antlitz zum Kiesel, ich weiß, ich werde nicht zu Schanden werden. Und wenn auch von verschiedenen Seiten ihnen zugerufen wurde: Laßt uns mit der Erhebung, verkündet uns von Wein und berauschendcn Getränken; wenn das Wort ihnen auch entgcgenschallte: Thöricht ist der Prophet, es rast der Mann des Geistes, sie beugten sich nicht, sie entweihten nicht die LiZ)pe, sie verschlossen nicht den Mund: Gott, der Herr, spricht, wer sollte nicht auch das prophetische Wort verkünden? Es war eine höhere Kraft, die sie anregte, die sie nicht schweigen, nicht das Wort vertrocknen ließ, es war eine sittliche, geistige Erhebung, die sie auf eine Höhe hinstellte, zu der wir auch in späterer Zeit immer noch emporschauen müssen. So ist das Judenthum eine großartige Erscheinung des Alterthums, so sind die Träger und Organe desselben Männer von einer Würde und Geistesgröße, daß wir unsere Bewunderung ihnen zollen müssen. Sie traten auf ohne äußere Anregung, ohne Ermunterung, ohne Vorbild, im Gegentheile in einer Umgebung, die davon abschreckte, unter Völkern, die dem Götzendienste verfallen waren, unter Priestern und Verkündern anderer Völker, die der Sinnlichkeit huldigten, die menschliche Natur entwürdigten. Woher nun diese Kraft, die als ein so Urplötzliches austritt? Wir gelangen hier an den tiefen Grund der menschlichen Seele, über den hinaus wir nicht köunen, an eine Urkraft, die schöpferisch aus sich selbst wirkt, ohne daß sie von einem äußeren Antriebe getragen würde. Wir unterscheiden im Allgemeinen bei dem Menschen ein doppeltes geistiges Wirken, eine zwiefache, bevorzugende Begabung; wir unterscheiden das Talent und das Genie, die einander zwar vielfach berühren, zwischen denen die Grenzlinie nicht so scharf gezogen werden kann, und die dennoch in ihrer ganz entschiedenen Besonderheit bleiben, die sich nicht blos gradweise von einander trennen, sondern auch in ihrer ganzen Art, in ihrer tieferen Wurzel. Das Talent ist die Begabung, leicht und rasch aufzunehmen, in sich zu verarbeiten, mit Geschick und Gewandtheit es wiederzugcben; es lehnt sich jedoch an das, was bereits vorhanden ist, an die Leistungen, die vorliegen, an