Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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r. 3. Die Offenbarung. 187 sicherer Thätigkeit angebaut werden kann und seine Fruchtbarkeit Jahr für Jahr mit seltenen Ausnahmen entfaltet, seine reichen Schätze in großer Ergiebigkeit darbietet. Allein darum steht doch Palästina höher: Ein Land von Bergen und Thälern, es bedarf des Regens, cs wird abhängig von den Naturerscheinungen, so daß Gottes Auge immer darauf ruhen muß vom Anfang bis zum Ende des Jahres; das ist der Ruhm, die Herrlichkeit des Landes. Dieses Land, ja sie rühmen es als ein ganz besonders bevorzugtes und begabtes, und dennoch auch dann, wenn es dahinschwindet, wenn es ihnen entrissen worden, ist ihre Kraft nicht gebrochen, sie wurzeln dennoch nicht am Boden, die Liebe zum irdischen Vaterlande beruht in der Liebe zu einem höheren, aus dem ein Strahl sich nicdersenkt zu dem niederen Vaterlande. Nachdem der Dichter geklagt, daß die Stadt zerstört, daß die Bewohner in die Verbannung geschickt worden, nachdem er seine Klagen reichlich hat ausgeschüttet, spricht er es dann aus: Doch Du, o Gott, dauerst ewig, Dein Thron für Geschlecht und Geschlecht. Ein Gedanke, der durch die Jahrtausende hindurchgeht, wenn auch das Volksleben geschwunden ist. Ist es ein Wunder, daß eine solch frohe Zuversicht auch auf die spätere Zeit mächtig eingewirkt hat? Dies Wort hören Sie wieder lange Jahrhunderte nachher. Wiederum war ein zweites Mal das Staatsleben zerbrochen, alle Hoffnung geknickt, das letzte Aufsiackern, das unter Benkosiba stattfand, war ausgelöscht, und der Druck der Römer lastete schwer auf dem jüdischen Volke. Da war einst Akiba mit seinen Freunden in Jerusalem, sie sahen einen Schakal herauskommen aus der Stätte, wo ehedem das Atlerheiligste stand. Die Genossen Akiba's weinten, zerrissen die Kleider, Akiba blieb in stiller, fast fröhlicher Stimmung. ״Wie", sagten die Freunde zu ihm, ״seit wann bist Du denn so theilnahmlos an dem Geschick unseres Volkes? Siehst Du denn nicht zum zweiten Male das Wort erfüllt: Ja, darüber weinen wir, über den Berg Zion, der verwüstet, Schakale wandern darin umher." ״Nun, meine Freunde", erwiderte Akiba, ״ja, das Wort hat sich nochmals bewahrheitet, das andere Wort bewährt sich auch: Du, o Gott, dauerst ewig, Dein Thron für Geschlecht und Geschlecht! Ich lebe in stiller, ruhiger Zuversicht." Daß die Propheten ihre eigene Persönlichkeit aufgaben, wenn es galt, dem großen Ganzen sich hinzugebcn, daß sie in Selbstlosigkeit wirkten, nicht denkend an Anerkennung, an Ruhm und die Verkündüng des eigenen Preises, ein jedes Work von ihnen giebt ein Zeug-