Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. S. Die Offenbarung. 185 3. Die Offenbarung. Es giebt Thatsachen von so überwältigender Macht, daß auch das widerstrebendste Urtheil sich unter sic beugen muß. Eine solche Thatsache ist das Auftreten des Judenthums inmitten einer wüsten Umgebung, wie eine kräftige Wurzel aus dürrem Boden. Wir haben mit einzelnen Zügen den Vergleich zu zeichnen gesucht zwischen jenen Ueberzeugungen, Ahnungen, Behauptungen, welche überhaupt im Alterthume herrschend waren, und denen, welche das Judenthum uns entgegenführt; selbst in diesem kargen Schattenrisse mußte sich doch wohl dein unbefangenen Blicke ausdringen, daß wir es hier mit einer ursprünglichen Kraft zu thun haben, die für alle Zeiten ihre Bedeutung erhält, als eine schöpferische Macht sich erwiesen hat. Lassen Sie uns noch einige Augenblicke bei den bevorzugten Trägern, den Organen dieser Ncligionsidee, verweilen, bei den Propheten. Es treten uns hier Persönlichkeiten entgegen von einer stillen Größe, einer einfachen Erhabenheit, einer Gluth und zugleich Besonnenheit, einer Kühnheit und zugleich demüthigen Unterwerfung, die uns imponirt, die uns das Wehen eines höheren Geistes durch sie hindurch erkennen läßt. Nicht ein Prophet tritt in derselben Weise auf wie der andere, schon die alten Lehrer sprechen es aus: Nicht zwei Propheten sprechen das prophetische Wort mit demselben Gepräge, ein Jeder ein ganzer, vollständig in sich abgerundeter Mensch, eine geschlossene, eigenthümliche Persönlichkeit, und dennoch alle von einem allgemeinen Charakter, von einer großen Idee getragen. Jesajas, kühn, edel, mit strengem Ernste, und dennoch so lieblich sich anschmie» gend an die frohesten und glänzendsten Hoffnungen voll der freudigsten Zuversicht, daher überspringend aus trüben Verkündigungen, scharfen Strafandrohungen in die Darstellung einer leuchtenden Zukunft; Jeremias weich, trübe hineinschauend in die verworrensten, verzweifeltsten Verhältnisse, daher auch wohl klagend, seine Zeitgenossen oft mit bitterer Strenge tadelnd und dennoch nimmermehr verzagend, dennoch voll freudigen Bewußtseins, es muß die Idee, die er verkündigt, durchdringen, und wenn auch nicht jetzt, so doch in Zukunft; Ezechiel, wie überwältigt von der Idee, die in ihm lebendig ist, wie geblendet von dem Strahl, der ihn umglänzt, ergeht sich Ln kühnen Bildern, um das, was er geschaut, die Herrlichkeit, die ihn umgeben, nur darstetten zu können, dennoch aber mit dem klarsten und vollsten Bewußtsein, wo cs gilt, die sittlichen Anordnungen in ihrer Schärfe