Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 l. 2. Die Religion im Judenthume. Anfang der Bibel lesen, so finden wir den Liefen Sinn in der naiven und volksthümlichen Darstellung, die uns heute nicht nur noch anzieht, sondern auch Stoff zum Nachdenken giebt. Nicht nur, daß die Schöpfung dargestellt ist in ihrer wohlgefügten Ordnung, so tritt uns denn auch alsbald der Kampf des Menschen in seinem Innern entgegen. Der Mensch noch zuerst in seiner Unschuld, aber dann alsbald im Kampfe mit dem sinnlichen Genüsse, der nun einmal zu seinem Wesen gehört; er soll ihn bekämpfen, wenn er nicht der Sünde verfallen will. Die Sinnlichkeit reizt nicht nur den ersten Menschen, sie gehört zum Wesen aller Menschen und ist so freilich die Mutter der Sünde, die nicht unwillkürlich vererbt ist von Vater auf Sohn, sondern die von einem Jeden selbst erzeugt wird. Aber sie wird auch von der Selbstsucht, von der engen Abschließung des Menschen gegen seinen Mitmenschen erzeugt, sie ist die Frucht des Neides, äußert sich als Zwietracht; Kain erfüllt Mißgunst gegen seinen Bruder. Da tritt das große Wort uns entgegen: An der Thüre lauert die Sünde, nach Dir ist ihr Begehr, Du ab er kannst sie beherrsche n. Ja, am Eingang in die Außenwelt, in der Verbindung mit ihr lauert die Sünde, Du aber bist doch ein Mensch, mit der hohen Willenskraft ausgerüstet, der der Sünde nicht unterliegen muß, dem die Sünde nicht eine äußerlich entgegenstehende nnbezwingliche Macht ist, sondern ein inneres Regen, das durch die höhere Kraft niedergehalten werden kann. Die Lehre von dem Streben nach Selbstveredlung, von dem Kampfe, aus dem er als Sieger hervorgehen kann und soll, tritt uns überall entgegen. In diesem sittlichen Bewußtsein, das verbunden ist mit dem Gefühle seiner Beschränktheit auch Ln diesem Punkte, legt er sich an an die ewige Reinheit und lehnt sich an sie in liebender Hingebung. Die Liebe zu Gott ist ein Begriff, den das Heidenthum nicht kannte, den das Judenthum wiederholt mit einer hohen Einfachheit hinstellt, als verstünde es sich ganz von selbst: Du sollst lieben Gott Deinen Herrn mit ganzem Herzen, ganzer Seele, aller Kraft. Und geht zu Grunde auch mein Fleisch und mein Herz, Fels meines Herzens, Antheil mir bleibt Gott doch immer. Die Nähe Gottes ist mir das höchste Gut. Was ist mir im Himmel? Neben Dir begehr' ich Nichts auf Erden. Das sind Ausdrücke, wie sie aus der Fülle nur hervorgegriffen