Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 2. Die Religion im Judenthume. 181 holt, die Klage darüber ist aber keineswegs so vorherrschend, wie im Griechenthnme. Es wird hingenommen mit ruhiger Ergebung, zugleich aber mit dem Bewußtsein von der Höhe des Menschen, und dieses Bewußtsein bricht überall wie mit einem Jubel hervor. Von vorn herein heißt cs: ״Wir wollen den Menschen machen nach nnscrm Ebenbilde, nach unserer Gestalt", eine Ebenbildlichkeit Gottes, die bald als in geistigem Sinne gemeint erklärt wird: Er hauchte ihm einen Odem des Lebens ein. Mit dieser Ebenbildlichkeit wird der Mensch alsbald in seiner Größe dargestellt. ״Du hast den Menschon, der so unbedeutend und so gering ist, spricht der Psalmist, so herrlich ausgestattet, mit Ehre und Glanz geschmückt, ihn zum Herrscher eingesetzt über Deiner Hände Werk!" Ueberall tritt der Mensch uns entgegen in dieser seiner Erhabenheit, die ihm eben den Schwung verleiht, daß er auch zu größerer Erhabenheit sich entfalte, nach ihr strebe. Denn der Mensch hat diese Fähigkeit der Entwickelung zum Höher« hin: Ja, ein Geist ist in dem Menschen und der Hauch des Allmächtigen giebt ihm Einsicht. Die Vernunft, als ein Strahl aus der göttlichen Vernunft, adelt den Menschen, erweckt in ihm das Sehnen, zu der Allvernunft mehr und mehr sich zu erheben. Das Wesentlichste ist aber wiederum in ihm das Bewußtsein der sittlichen Kraft, die dem Menschen eingcflößt ist und seinen wahrhaften Adel begründet, seiner sittlichen Kraft, die grade, weil sie das Streben nach voller Reinheit weckt, ihn auch umsomehr wieder die Endlichkeit auch in dieser Beziehung, die Schranken im sittlichen Leben empfinden läßt. Er fühlt, daß die Sinnlichkeit von Jugend auf ihn begleitet, daß sie zu seinem Grundwesen gehört, so daß ein Kampf erzeugt wird zwischen dem Sinnlichen und den geistigen Idealen, ״der Trieb des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf". Das drückt die Mangelhaftigkeit aus, die auch im sittlichen Leben sich kundgiebt, eine Begehrlichkeit, deren Anreizungen zu widerstehen wir doch die Kraft haben. Vor Alters wurde die Frage aufgeworfen, warum denn die heilige Schrift beginne mit der Erzählung der ersten Zeit und nicht mit den ersten Geboten? Wozu denn das Frühere? Die Antwort lautete: Die Kraft seiner Werke verkündete er seinem Volke, und wenn auch nicht Gebote an der ersten Stelle stehen, so liegen Betrachtungen vor, die gleichfalls ein religiöses Element in sich tragen. Die Frage ist aufgeworfen von einem engen äußerlichen Standpunkte aus, und wenn wir diesen