Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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180 1. 2. Die Religion im Judenthuine. Ströme, sein Auge schauet alle Herrlichkeit. . . Doch die Weisheit, woher wird sie gefunden? wo ist die Stätte der Vernunft? Nicht kennt der M ensch den Werth derselben, sie wird im Land des Lebens nicht gefunden. Der Abgrund spricht: ist nicht in mir, das Meer: auch nicht bei mir. . . Vernichtung, Tod, sie sagen: wir haben ihr Gerücht vernommen. Gott allein erkennet ihren Weg, er weiß von ihrer Stätte! Eine großartige Darstellung der Weisheit, wie sie verdeckt ist vor den Augen der Menschen, allein von Gott durchschaut! Alles aber überragt das Bewußtsein von der Heiligkeit Gottes, von der Reinheit, die nicht schauen kann das Böse, der das Unrecht unerträglich ist. ״Nein an Augen, so daß er das Böse nicht sehen kann, nicht blicken mag auf Unrecht." Gott ist rein, heilig, er allein und kein anderes Wesen neben ihm. Er ist in seiner Heiligkeit allgütig, barmherzig, gnädig: ״Gott, allmächtig, gnädig und barmherzig, langmüthig, groß an Gnade und an Treue", das ist der Grundton, der alle Lehren und Ueberzeugungen des Judenthums durchzieht, er der Liebende, der allerdings auch straft, der aber, wie er überhaupt seiner Werke sich erfreut, ihnen mit Liebe sich hingiebt, so auch den Reuigen liebt und ihm die Hand reicht, damit er vom Bösen zurückkehre. Die Schuld ist nicht Nerhängniß, das unauslöschlich sich an den Menschen kettet: ״Verlange ich denn den Tod des Sünders, vielmehr daß er von seinen Wegen umkehre und lebe", zu dem wahrhaften und reinen, höheren Leben gelangt. Die Gewißheit von seiner Gerechtigkeit, von seiner Allliebe zu den Menschen ist eine so unerschütterliche innerhalb des Judenthums, daß auch die trübsten Erfahrungen diese Ucbcrzeugung nicht wankend machen konnten; es klagen die Sänger und Propheten über Leid und Prüfung, auch sie stellen die Räthsel hin in der Menschheit, auch sie begreifen nicht, wie so Mancher gegen sein Verhalten ein gutes oder schlimmes Geschick auf Erden habe, sie bekennen, daß sie die vollkommene Erklärung davon nicht finden können. Doch sind sie weit entfernt, deshalb einen Zweifel auszudrücken an der Gerechtigkeit Gottes, die Ueberzeugung bleibt unerschüttert, daß dennoch auf die vollste Gerechtigkeit das Verfahren gegründet ist. Das Verhältniß der Menschen zu Gott und untereinander strebt nun gleichfalls nach diesem Ideal. Der Mensch ist ein endliches, begrenztes, bedingtes Wesen, das wird im Judenthum auch oft wieder-