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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 179

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 179 (sequence 19)
Language
German
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1. 2. Die Religion im Judenthume. 179 solches allumfassendes Sein natürlich auch absolute Einheit. Dieses Wort der Einheit schallt durch alle Schriften des Judenthums, und überflüssig ist, noch an das Grundwort Israelis zu erinnern: ״Höre, Israel, ״er ist" ist unser Gott, ״er ist" ist einzig". Dieses Sein, das Alles umfaßt, ist die einzige, volle lebendige Persönlichkeit, zugleich aber als das Allgemeinste nicht zu erschauen: Ihr habet keine Gestalt erschaut, nur Aeußerungen, den Lichtglanz bemerkt von ihm ansstrahlend, den Schall von ihm ertönend, das sind die Wirkungen, aber ein Bild von ihm hat das Judenthum als das Ungeheuerlichste, als den größten Gräuel gemieden. Für diese Unbildlichkeit haben die Juden zu allen Zeiten ihr Leben hingegcben. Das war es, was zuerst dem Heidenthum als ein Wunderliches in die Augen fiel, eine Religion ohne Götterbild. Spricht doch noch Juvenal es aus: Ml praeter nudes et 60611 mimen adorant. Nichts sonst beten sie an, als Wolken und Gottheit des Himmels. Kein Bild, spottet Tacitns, in der Juden Tempel, eine seltsame Religion ohne sinnliche Darstellung! Und das war grade der Kern- Punkt, das Bewußtsein von dem Allumfassenden: Die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit. Mit dieser Einheit, dem Begriffe des Allumfassenden, ist natürlich auch verbunden die Allmacht: Sollte etwas Gott unmöglich sein? Ist die Hand Gottes kurz geworden? Nicht minder erfüllt der Begriff der Allweisheit alle Blätter des Judenthums, die Weisheit, die Alles durchdringt und durchforscht, die Augen Gottes, die in Alles hineinschauen, nicht blos nach dem Aeußeren, sondern in das Herz, in die innersten Tiefen der Menschen. Kein Mensch vermag die wahre Weisheit, die so hoch erhaben, ganz zu erfassen, sie ist allein bei Gott zu finden. So lehrt Hiob, im schönen Vergleiche mit dem Bergbauc: Es hat das Silber seinen Fundort, dem Golde ist die Läuterungsstätte, Eisen wird aus dem Staube genommen, der Stein als Erz gegossen. So macht der Mensch der Finsterniß ein Ende, durchwühlet bis zum Grunde hin, bis zu des dichten Dunkels Gestein. Der Strom bricht hervor vor ihm, der dort umherirrt, vergessen von wanderndem Fuße, entrückt der menschlichen Berührung. Dieselbe Erde, aus der das Brod hervorkommt, ist unten unterwühlt wie von Feuersgluth. Dort ist des Sapphir's Stätte, der Ort der Edelsteine; da birgt sie Goldstaub. Den Pfad kennt nicht Raubvogel, ihn schaut das Auge nicht des Geiers. . . Doch bricht der Mensch durch Felsen 12*

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