Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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178 l 2. Die Religion im Judenthume. gestaltung, einer Reform nicht fähig, er mußte bleiben, wie er war, oder er mußte aufhören. Eine Religion, die eine mächtigere Idee in sich trägt, als sie dies in der zeitlichen Unvollkommenheit darlegen kann, kann in ihrer Entwickelung manches Beiwerk ablegen, manchen ehemaligen Ausdruck verwischen und durch ihre schöpferische Fähigkeit neue erzeugen; eine Religion jedoch, die sich vollkommen erschöpft hat mit ihrem Auftreten, deren Stamm, Blüthe und Frucht vollkommen der Wurzel entspricht, sie ganz und gar in sich aufgesogen hat, wird, wenn Blüthe und Frucht verletzt wird, in ihrer Wurzel gleichfalls zerstört. So erging es dem Griechenthum. Wenn eines der begabtesten Völker des Alterthnms in dieser Weise doch sehr niedrige religiöse Begriffe entfaltete, haben wir kaum einen prüfenden Blick auf die Masse anderer Völker zu werfen, die ohne Spur höherer Bildung dahingegangen sind; Völker, die in Rohheit dahinlebten, hatten natürlich auch rohe Begriffe von der Gottheit und dem Verhalten zu ihr. Betrachten wir nun gar die Völkergruppen, welche das jüdische umgaben, sie, die an Macht das kleine Völkchen überragten und es umschlossen, von denen manche eine Zeit lang sehr bestimmend in die allgemeinen Geschicke eingriffen, so werden wir ein Grauen empfinden vor dem wilden Göttercultns, der unter jenen herrschte, vor jener Ausschweifung, die Gottesdienst sein sollte. Menschenopfer, dem Moloch dargebracht, der, die Kinder den Eltern entreißend, sie in seiner glühenden Umarmung verzehrte, entartete sinnliche Buhlerei als wohlgefällig den Göttern! Der stehende Ausdruck der Bibel: ״Nachbuhlen den Göttern der Völker", darf in wörtlichster Bedeutung genommen werden. Ein schauerliches Bild! Innerhalb dieser Umgebung nun tritt das Judenthum auf, und wir dürfen es wohl aussprechen, wie das Weib von Endor beim Anblicke Samuel's: Ich sehe Gott emporsteigen aus der Erde, aus jener entweihten, ganz der Sinnlichkeit hingegebenen, zur Gemeinheit entwürdigten Erde sehe ich das Göttliche in seiner Reinheit hervorstrahlen. Der Naine, der Gott eigen ist im Judenthume, ist später sehr bezeichnend als unaussprechlich betrachtet worden, weil kein Name ihn umfassen, keiner ihm entsprechend sein könne: es wurden die Laute vergessen, und wir können ihn heute wirklich nicht mehr aussprcchen. Seine Bedeutung aber ist sicher! ״Er ist", so lautete er; wie Gott von sich selbst sprechend in der heiligen Schrift sagt: ich bin, der ich bin, so sagt der Mensch von ihm: er ist! das einzige Sein, das Allumfassende für Natur wie für Menschenleben. ״Er ist" und als