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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 177

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
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1. 2. Die Religion im Alterthume» 177 offen auszusprcchen. Schon X en ophanes, der Gründer der Eleatenschule im 6ten vorchristlichen Jahrhundert, spricht sich mit scharfem Tadel gegen den Götterglanben aus. Schon die Vielheit ist ihm ein Anstoß; nur eine Einheit verträgt sich mit dem wahren Begriffe der Gottheit. Die Sterblichen meinten auch zwar, die Götter seien entstanden, als ob es nicht gleich gottlos wäre, sie für geworden, als sie für sterblich anszugeben. Wenn der Leukothea, der Meeresgöttin, Opfer und Todtenklage dargebracht werden, rügt er diesen Widerspruch: Halte man sie für eine Sterbliche, so solle man ihr nicht opfern, halte man sie für eine Gottheit, solle man sie nicht betrauern. So beka'lnpst er den räumlichen Aufenthalt, der den Göttern angewiesen, die Gestalt, die ihnen beigelegt wird, und namentlich auch die sinnlichen Eigenschaften, die ihnen ohne Scham zugesprochen werden: Alles legen den Göttern Hesiodos bei und Homeros, WaS zur Schande bei Menschen gereicht und Tadel hervorruft, Diebstahl, Ehebruch und daß sie einander betrügen. Das ist ein volles und klares Bewußtsein über die Mangelhaftigkeit des Götterbcgriffes innerhalb des Griechenthums, ein scharfer Tadel, der von einem der älteren Philosophen innerhalb dieses Volkes ausgesprochen wird, wie er sich jedoch kaum n׳.it solch einschneidender Kraft wiederholt. Auch spätere Philosophen haben zwar ihren Tadel nicht zurückgehalten, doch gingen sie mehr darauf aus, zu vergeistigen, lauterere Begriffe von der Gottheit und dem Verhalten zu ihr darzulegen, ohne einen solchen scharfen Kampf zu unternehmen. Das geschieht wohl weniger aus Scheu vor dem Kampfe der inneren Ueberzcugung gegen die Lüge, es ist vielmehr, als wenn sie empfnnden hätten, dieser Kampf richte sich gegen die ganze Eigenthümlichkcit des Volkes, sie würden den Nerv des Volkslebens vollkommen durchschneiden, wenn sie mit aller Offenheit gegen seine Götterlehre aufträten. Sie haben sich mehr oder weniger mit dem Glauben zu vertragen gesucht, entweder ihn ignorirend, oder bemüht, ihn zu erklären. Wenn dennoch ein kühnes Wort hie und da ins Volk drang, so machte sich der Widerspruch in so entschiedener Weise geltend, daß - der Tadler verstummen mußte. Anaxagoras und Protagoras mußten in die Verbannung gehen, Sokrates, der mit großer Rücksicht gegen den im Volke herrschenden Glauben verfuhr, mußte den Giftbecher trinken. Der griechische Volksglaube war einer Um- Vierteljahresschrift. II. 3. 4.

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