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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 176

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 176 (sequence 16)
Language
German
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176 1. 2. Die Religion im Merthume. doch das innere Streben nach höherer Reinigung, das Verlangen, die menschlichen, sittlichen Gebrechen abzulegen und sich anzulehnen an das Göttliche als den Quell aller Reinheit, war in den Griechen nicht mit voller Klarheit erwacht. Das Bewußtsein der Sündhaftigkeit, das heißt der Natnranlage, welche auch in Beziehung auf Reinheit an Endlichkeit und Beschränktheit leidet, das Bewußtsein, daß die Sinnlichkeit so an uns nagt, daß wir einen fortwährenden Kampf zu bestehen haben, um dem Guten, dem Drange nach Vollendung folgen zu können, dieser Kampf, der aber den Menschen auch veredelt und erhöht, der selbst durch die Neue zu edlem Siege hinfuhrt, dieses Bewußtsein ist den Griechen fast ganz und gar verhüllt. Wenn die späteren Dichter, die aus dem Edelsten der griechischen Natur hervorschöpften, wenn die Tragiker ganz besonders die Schuld hervorheben als die Ursache der schwierigsten Verwickelungen innerhalb des Menschendaseins, so ist diese Schuld fast immer eine übertragene, nicht aus dem leidenden Menschen selbst entstehende, es erbt sich vielmehr die Schuld von Ahnen fort auf spätere Geschlechter. Weil jene die Götter nicht geehrt, sie verhöhnt, mit ihnen in einen unziemlichen Kampf getreten, durch große Schuld sich selbst entweiht haben, so trägt sich auf das künftige Geschlecht die Schuld hinüber, an ihr leidet es, an ihr geht es zu Grunde, ohne selbst daran Theil zu nehmen; es ist kein eigener sittlicher Kampf, keine Schuld, von der der Mensch sich selbst zu reinigen hat, cs ist das blinde Schicksal, das die Sünde zuwirft, von dem grausen Verhängnisse alter Schuld sind die Späteren gefesselt. Allerdings, beim Anblicke eines solchen Kampfes ergreift cs uns, wenn eine große Kraft an ihren Fesseln rüttelt, und das Gefühl der Ohnmacht, ehrfurchtsvollen Beugens wird genährt, es ist, wie Aristoteles es ansspricht, eine Bändigung der Leidenschaften, aber nicht eine Erhebung. Wie anders, wenn der Mensch durch sein sittliches Streben, durch seinen Kampf selbst gegen äußere Widerwärtigkeiten, auch unterliegend, dennoch in seinem Innern als Sieger hervorgeht, wenn der edle Gedanke ihn aufrecht zu erhalten weiß, wenn die tieferen Ideen zum Bewußtsein kommen gegcnüber der Wirklichkeit, die sie nicht aufkommen läßt, der einzelne Mensch als Träger eines höheren Gedankens sich zwar beugen muß und dennoch als Held, als Sieger dasteht. Diese höhere Auffassung finden wir im Griechcnthume wenig vertreten. Die griechische Philosophie ist nicht blind für diese Mängel und Gebrechen, mit wachem Auge hat sie sich nicht gescheut, ihren Tadel

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