Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Homer 1× ep/1025156
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1. 2. Die Religion im Alterthnme. 173 Wicklung der ganzen Menschheit, dessen Wissenschaft und Kunst so belebend und erfrischend alle Zeit gewirkt haben, daß wenn sie, eine Zeit lang verschüttet, dann wieder ausgegraben, sie wie ein labender Duell erscheinen, aus dein die Menschheit gierig geschöpft hat, — ein solches Volk ist unstreitig das griechische Volk. Wie Pallas Athene hervortritt aus dem Haupte des Zeus, gewaffnet und gerüstet, so tritt auch das griechische Volk in die Geschichte ein, vollkommen ausgestattet mit der edelsten Rüstung des Geistes, mit den edelsten Blüthen des Lnnern Lebens. Schon in seinen ersten Schriftstellern imb Dichtern entfaltet es sein ganzes inneres Wesen, und wenn auch in der ersten Kindheit begriffen, noch nicht losgelöst vom Naturdasein, dennoch eine edle, in sich abgerundete Natur. Blieb ja als unerreichtes Muster für alle Zeiten der älteste Dichter, Homer! In ihm eine Phantasie, die kühn sich und dennoch nicht zugellos, ein Sinn für das Schöne, Ebenmäßige, in dem edelsten Wohlklänge sich ausprägend! Wie werden wir erquickt durch die schönen, edlen Gestalten, welche uns da begegnen? Menschen voll hoher Kraft und dennoch gehalten, gcsittigt durch ein inneres Gefühl für das Ziemliche, Gestalten, die hoch und erhaben und wieder durch kindliche Züge uns erschüttern und ergreifen. Nausikaa in ihrer jungfraulichen Schaulhaftigkeit, Penelope's rührende Treue, der gewaltige, kühne Hector in ergreifendem Abschiede von seinem Weibe und spielend mit seinem Kinde, — das sind ewige edle Menschenbilder, zu denen wir immer mit innerer Erquickung zurückkehren. Und dieses herrlich begabte Volk, welch eine seltsame religiöse Anschauung gebar es doch ans sich! Sein Glaube in Beziehung auf das Göttliche, seine Götterlehre, wie unvollkommen und kindisch! Die Götter — denn von entern einzigen Gotte ist nicht die Rede — sind eine machtige turbulente Aristokratie, der ein Gewaltigerer vorsteht. Ein Gewaltigerer, aber keineswegs der Allgewaltige, denn seine Macht greift kautn überall ein, vermag kaum das ausznführen, was der Wille in ihm beschlossen hat. Haben ja selbst die andern Götter einmal den Versuch gewagt, ihn zu binden; daran erinnert ihn einst Thetis, wie sie ihn gerettet: Als vordem ihn zu binden die andern Olympier drohten, sie aber den Briareuö zu Hilfe gerufen: .... Denn er raget an Kraft vor dem eigenen Vater« Ist nun seine Macht eine beschränkte, um so utehr die der anderen Götter, die allerdings über den Menschen hervorragen, aber doch