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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 172

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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172 1, 2. Die Religion im Alterthume. wie eine jede Wissenschaft, der mühsame Erwerb der Einzelnen, Höherbegabten. Die Religion ist ein Gemeingut der Menschheit, sie ist eine besondere Empfänglichkeit in ihm, die unwiderstehlich in ihm sich hervorbildet, die mit ihren Wahrheiten ihn bald klarer, bald minder klar erleuchtet. Die Religion ist daher von Ewigkeit her vorhanden und wird cs auch weiter sein. Während die Religion nun ans der einen Seite das Individuellste ist, das, was dem Menschen als sein Tiefstes, Innerstes erscheint, ihn als Einzelwesen bestimmt in seinem Glauben, in seinem Thun, als innerste Triebfeder seines ganzen Wesens, ist sie auf der anderen das Band der Gesammtheit, weil sie eben ein allgemein Menschliches ist, die Verbindung der Thcile unter sich und mit dem Ganzen. Alles in dein Menschen trägt den Trieb zur Einigung aller in sich, die Menschheit hat den Drang in sich, daß alle Einzelnen bei aller Wahrung ihrer Selbständigkeit'dennoch die schroffe Absonderung ablegen und incinandergrcifcn als ein einiges Ganzes. Diese Mischung des Besonderen mit dem Allgemeinen tritt zuerst in Völkerindividualitäten auf; cs erscheint das Volk als eine Einheit gesondert von andern, und dennoch wieder als Zusammenschluß einer großen Anzahl sehr verschieden gearteter menschlicher Wesen. Auch die Religion tritt zuerst als Volksreligion auf, mit dem Triebe jedoch, der ganzen Menschheit sich zu bemächtigen, sie unter ihre Fahne zu sammeln. Ist dieser Trieb mächtig genug, tritt die Religion zwar zunächst als Volksreligion in die Erscheinung, überwindet aber diese Volksthümlichkeit, besteht sie fort auch nach dem Zerbrechen der Fesseln, die ihr das Volksleben angelegt hat,'stirbt sic nicht, wenn auch das Volk, in dein sic gelebt hat, als solches wenigstens gestorben ist, so legt sie hiermit die Probe ab ihrer Zuverlässigkeit, ihrer Wahrheit. Das Jndenthnm hat sich als eine die Volkstümlichkeit überdauernde Macht bewährt und darf daher den Anspruch erheben ans besondere Beachtung. Doch nicht die zeitliche Dauer allein mag unser Urtheil bestimmen, vielmehr kann nur die Prüfung des inneren Gehaltes der Maßstab unserer Wertschätzung sein. Ein Vergleich zwischen Judenthnm und den anderen Religionen, so lange dieselben nicht mit ihm in Berührung getreten, nicht von seinem Einflüsse erfüllt worden sind, wird uns die sicherste Ueberzeugung geben von der Höhe des Juden- Lhnms über den übrigen Religionen des Alterthums. Wohl das begabteste Volk des Altertums, das hcrvorragt Ln edler Bildung und tiefgreifenden Einfluß ansgeübt hat auf die Ent-

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