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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 171

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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י I. 2. Die Religion im Merthume. 17! ewigen Weisheit, aber auch um so mehr mit voller Hingebung zu ihr emporblicken, an ihr saugen, vor ihr sich beugen in Innigkeit und Demuth. Hat das Judenthum als Religion gewirkt, wirkt es noch als solche, so ist es eine der edelsten Lebenskräfte in der Menschheit. 2. Die Religion im Alterthnme und die Religion im Judenthnme. Die vorangegangenen Erwägungen machten natürlich llicht den Anspruch, neue Grundlagen zu errichten und darauf Wahrheiten zu befestigen. Es wäre dies ganz dem Wesen der Religion entgegen, es würde sie ihrer Eigeuthümlichkeit, Erbgut der Menschheit zu sein, entkleiden. Sie ist eine ewige, sich fortleitende Kraft, nicht ein Gebrechlichcs, das, bald zusammenstürzend, wiederum in anderer Weise auferbaut wird. Der Versuch trat noch weniger mit der Zumuthung aus, neue, zwingende Beweise für die Religion beizubringcn und sie damit zu erhärten. Die Religion ist nicht Philosophie, nicht die langsan! fortschreitende Denkthätigkeit des Menschen, sie ist ein inneres Verlangen des ganzen Menschen, des Denkenden, Empfindenden sittlich Wollenden. Er sollte nur der Prüfung nochmals empfehlen, ob die Wissenschaft, namentlich die Naturforschung, ferner die Erkenntniß des Menschen nunmehr so weit fortgeschritten sei, daß sie das Näthsel des Daseins, des menschlichen Wesens so klar gelöst, die Widersprüche so vollkommen erklärt hat, daß ein Verlangen der Menschen, darüber hinauszugrcifen, die Endlichkeit zu durchbrechen, sich Erklärungen zu suchen, die allerdings nicht mit der vollkommensten Beweiskraft ausgerüstet sind, aber dem innersten Bedürfnisse entsprechen, — daß, sage ich, ein solches Verlangen als ein thörichtes, unuöthiges abgewiesen werden müßte. Die Religion ist nicht Philosophie, sic ist vielmehr der Ausdruck der Anziehungskraft, die in der ganzen Natur verbreitet ist. Ueberall sinden wir in den einzelnen Theilen des Naturlebens jenes Hindrängen nach dem andern, jene Empfindung, angezogen zu werden von den andern Theilen, das Zucken und Sehnen eines Wesens nach den andern hin. Dieselbe macht sich ebenso in dem Menschen geltend, nur daß sie in ihm auch zum Bewußtsein kommt, er fühlt das Verlangen, sich anzuschtießen, aus seiner Endlichkeit heraustretend an das Unendliche sich anzulehnen, mit aller Innigkeit seiner Seele liebend sich anzuschmiegen an den Quell aller Weisheit und aller Liebe. Die Philosophie ist.

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