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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 3-4 (1863) · p. Seite 170

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
3-4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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170 1. נ. Das Wesen der Religion. £ doch als lebendigste Ueberzeugung in sich trägt./ Das mag als alte Vorstellung bezeichnet werden, es bleibt bei dem Ahnen, dem Sehnen, dem Vorstetten, bei Annahmen, die nicht vollkommen belegt werden können. Allein das ist das eigentliche Wesen des Menschen, seine Natur, und muß so sein, weil er ein Einzelwesen ist, ein losgerissenes Stück aus dem ganzen geistigen Leben, zu dein er sich emporgezogen fühlt, ohne es ganz und vollkommen in sich aufzunehmcn. Das große Wort Lessing's: Wenn Gott in der einen Hand die vottkommene Wahrheit eingeschlosscn hätte, in der andern Hand das Streben nach der Wahrheit, und zu mir spräche: Mensch, wähle! ich würde Gott bitten und sprechen: die volle Wahrheit ist nicht für mich, für mich ist das Streben nach der Wahrheit, ist ein Wort der tiefsten und echtesten Religiosität. Ja! die Sehnsucht nach dem Höchsten unb Besten, der Anschluß an die Gesammtheit, - das Hinaufringcn nach dem .Unendlichen trotz der eigenen Endlichkeit mib Beschränktheit, das i\t Religion. Darin haben wir auch die Bürgschaft für das Höchste und Unendliche,!veil wir zu ihm emporklimmcn trollen, für die ewige Weisheit, für die Freiheit, die Alles umfaßt und aus sich erzeugt, weil wir nach ihr streben, weil wir das Sehnen nach ihr in uns tragen. Das kann nicht ein Erdichtetes, aus uns Geborenes sein, es ist die edelste Wirklichkeit in uns. Die Religion ist keine Ausgeburt müßiger Priester, sie lebte und lebt in der Menschheit, und ein jedes gute und edle Streben, wenn sich der Mensch anschließt in Liebe und Innigkeit, seine abschließende Selbstsucht ausgiebt, sich anschließt an das Vaterland und für dasselbe sein eigenes Leben und seine Wohlfahrt hingiebt und gerne wirkt für die Gesammtheit, mld mit dem Streben nach dem Höheren sich erfüllt, das ist ein Werk der Religion. Mag sie nach ihrer Erscheinung verschieden austreten, die Religion als solche ist ein Nothwendiges, das Edelste in dem Menschen und wird nur mit dem Menschen aufhören, nicht unter den Menschen. So lange der Schwung des Geistes zum Allgciste bleibt, so lange dieser bleiben muß, so lange ist das religiöse Leben vor- Händen. Die Religion ist ein Lebern Das ganze Thun des Menscheu, insofern es von höheren Gesichtspunkten geleitet ist und nach ihnen hinstrebt, ist ein Werk der Religion, ist eine Errungenschaft derselben. Die Religion wird geläuterter, klarer werden, aber sie wird immer bleiben, weil das Sehnen und die Unvollkommenheit in dem Menschen immer bleiben wird. Je mehr er vorschreitet, um so mehr wird er den Abstand fühlen von dem Unendlichen unb voll der

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