Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 l 1. Das Wesen der Religion. erst durch unser Denken, durch unser Festhalten werden sie eine Ein-- heit, die Harmonie liegt in uns, sie wird gewissermaßen blos durch die auseinander folgenden Laute in uns geweckt. Und so läßt es sich von allen Sinnen Nachweisen. Das Denken giebt unserer sinnlichen Wahrnehmung erst Gestaltung. Das Denken, das zugleich dem Menschen auch den Ausdruck verleiht für alle Empfindungen und Gedanken. Denn die Sprache, das treueste Abbild des Geistes, bildet den Ucbergang aus der tiefsten Innerlichkeit zu der Außenwelt, die Sprache zeichnet den Menschen am bestimmtesten ans vor all den andern Wesen, die Sprache, die, wie aus innerer Klarheit geboren, wiederum den Gedanken erst verständlich macht und ihm zur vollen und ganzen Klarheit verhilft. Und dennoch! Dieses Wesen, dem das Gepräge der Herrschaft so scharf aufgedrückt ist, das mit seinem Geiste in das Universum, in die ganze Zeit den Blick tief hineinwcrfen kann, dieses Wesen fühlt sich zugleich beengt, stößt überall an Schranken, die ihn! gesteckt sind in seinem Leben und in seinem Denken. Der Einzelne!nag immerhin vorwärts dringen und bleibt doch nur ein einzelnes Stück der Menschheit, die Menschheit selbst blos ein Stück der Schöpfung, und diese wiederum aus einem größeren Geistesquell ausströmend. Diese Beengtheit haftet an ihm, er kann als ein Stück über den Urgrund des Ganzen, von dem es genommen, nicht zur vollen Erkcnntniß gelangen; der Mensch muß so das Bewußtsein, daß er ein Bruchtheil, ein Stückwerk ist, stets in sich tragen. Der Mensch fühlt ferner, daß er noch anderweitig hoch emporgehoben ist. Er handelt nach Entschlüssen, Grundsätzen, die er selbst sich bildet, er verfährt nach seinem Willen, er wählt, er ist der Schöpfer seines eigenen Thuns, es ist nicht ein Zwang von außen her, der ihn treibt, er überlegt, urtheilt und bestimmt sich danach, ein unendlicher Vorzug! Wenn er sich nur dessen so recht ruhig erfreuen könnte! Allein auch dagegen erhebt sich in ihm selbst ein mächtiger Widerspruch. Was ich wähle, wozu ich mich bestimme, geschieht aus bestimmten Gründen, diese hängen von Erkenntnissen ab, diese sind mir durch bestimmte Ursachen zugekomnren, ja ich bin überhaupt ein Kind meiner Zeit, durch das, was die Zeit als Wahrheit übcrgiebt, lasse ich mich anregen und leiten, ich bin ein Kind meiner Umgebungen, ich bin nicht Schöpfer meiner selbst, meiner eigenen Thaten. Das Verlangen, überall das Gesetz der Ursächlichkeit zu erkennen, verdrängt meine Freiheit, läßt Eines aus dem An-