Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 1. Das Wesen der Religion. 103 liehe Weise diese Wahrheiten in der Menschheit erschienen seien und so sich fortgeerbt haben, ohne von jedem Geschlecht neu erzeugt zu werden. Wir haben uns die Autonomie des Geistes erkämpft; alle gegen sie sich erhebenden Ansprüche, wie das Judenthnm sie erhebt, sind unberechtigt, um so mehr, wenn sich gar die trübe Beimischung der Tradition noch hinzugesellt, wenn auch diese nun als eine Wahrheit mit ausgenommen werden soll. Oder wirst das Judenthum etwa Offenbarung und Tradition weg? Will es sich mit dem Ruhm begnügen, zuerst mit jenen hohen Wahrheiten ausgetreten zu sein, die ein Eigenthum der Menschheit geworden sind, daß in ihm zuerst klar ausgesprochen wurden Gedanken, die für die ganze Menschheit bestimmt und in sie auch vollständig eingedrungeu sind? Wohl! mag cs immerhin dieses Ruhmes sich erfreuen. Und dennoch kann ihm, so fährt man fort, auch dieser Ruhm nicht unverkümmert bleiben. Unvollkommen treten die Wahrheiten in ihm auf; erst andere spätere Religionen haben dieselben vertieft, sie in volle Klarheit gesetzt, auf der einen Seite die Lücken in großartiger Weise ausgcfüllt und andererseitö das Ueberflüssige beseitigt und das Irrige berichtigt. Das Juden-- thum ist demnach antiguirt, ist eine Ruine, die sich erhalten hat für einen kleineren Kreis, die aber keineswegs eine bestimmende Macht mehr ist, cs ist sein geistig Leben als ein verkümmertes zurückgeblieben, während die arideren Religionen hinausgeschritten sind und ihre Macht über die Welt verbreitet haben. Das Judenthum ist einem kleinen Kreise verblieben, und so mag denn auch vielleicht, so fügt man hinzu, für diesen in einer gleichfalls bereits vergangenen Zeit, im Mittelalter, das Judenthnm noch seine Bedeutung gehabt haben, es war für seine Bekenner jedenfalls eine Trägerin geistigen und sittlichen Lebens. Zur Zeit, da Sonderungen in der Menschheit geltend waren, ein jeder kleinere Kreis sich abschloß und der Genosse eines solchen lediglich aus diesem Kreise seine Nahrung zog, hatte auch das Indenthum seinen bestimmenden und seinen wohlthätigen Einfluß. Darüber sind jedoch nun auch diejenigen, die im Judenthnme geboren sind, namentlich die Denkenden, die eine höhere Stufe der Bildung einnehmen, weit hinweggcschritten, cs ist die Menschheit eine einige geworden, das geistige Leben, das Denken, Empfinden, ist, wenn auch ein vielgestaltiges, dennoch seinem Wesen nach eines und dasselbe, die geistigen Schätze ein Gemeingut geworden der Menschheit, es genügt dem Einzelnen, ein Mensch zu sein. Die Höherstehenden unter allen Parteien und Genossenschaften bilden eine Einheit; das Judenthnm 11*