Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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iv. Gabriel Rieffer. 135 und alle jene Restrietionen in ihrer Hohlheit und Lügenhaftigkeit nachwies, und so indem er beleuchtete, zugleich erwärmte. Riesser's Kampf war ein erfolgreicher. Ward auch die Gleichstellung der Juden nicht so bald errungen, wurden Gründe und Gegengründe noch lange immer ängstlich erwogen, hielt das zähe Privilegium noch lange an seiner Ausschließung fest, ja ist auch heute noch der Sieg kein vollständiger: die öffentliche Meinung, soweit sie eine aufrichtig freisinnige war, wurde umgewandelt, die Achtung für die Frage, ihr Zusammenhang mit allen sonstigen liberalen Bestrebungen gelangte zur Anerkennung, und viele Redliche opferten gerne ihre früheren Antipathien auf dem Altar der Achtung für wahre allgemeine Menschenwürde; nur Wenige, wie Rottek, suchten in hartnackigem Beharren bei dem Jrrthume den Ruhm gefinnungstreuer Konsequenz. Der principielle Sieg wurde so errungen^ daß später ein Kampf im großartigen Sinne Riesser's kaum mehr fortgeft'ihrt werden konnte. Gegen die Hartnäckigkeit des Privilegiums vermögen nicht Gründe anzuka'mpfen, da nützt nur Ausdauer; gegen die Ausschließung aber, wenn sie in den Bund trat mit allen finstern Btächtcn, mit nEittelalterlichem Feudalismus, mit engherziger Christlichkeit, mit den Rückschrittsvcrsuchen in Leben und Wissenschaft war der Kampf ein allgemeiner, nicht mehr ein specifisch jüdischer. Er wurde eine ganz andere Aufgabe, an der auch Rieffer sich betheiligte, ohne dabei im Vordergründe zu stehen. Noch weit intensiver, von dem heilsamsten Einflüsse waren die Folgen von Riesser's Wirksamkeit nach Innen, auf die Juden selbst. Das Bewußtsein ihres Rechtes erstarkte mächtig in ihnen, ein lebendigeS Selbstgefühl erfüllte sie, das Vertrauen zu ihrer vollen Menschenwürde, zu ihrer Ebenbürtigkeit hob sie, ein geistiges Liebesband verknüpfte sie attesammt, sie erkannten sich alle als Glieder einer großen, zur Erkä'mpfung des Rechts berufenen Gesammtheit, als Kampfgenossen für eine Idee. Das damals erwachte neue Selbstvertrauen entfaltete die herrlichsten Anlagen nach allen Seiten. Erst von jener Zeit her schreibt sich die frische Regsamkeit in allen Gebieten des jüdischen Lebens und der jüdischen Wissenschaft, und wenn auch Riesser selbst wenig Verstä'ndniß und Empfänglichkeit für Erftischung des Jttdenthums hatte, so erweckte er unwillkürlich durch sein Wirken zu den fruchtbarsten Bestrebungen. Der Jubel, der durch die Geister zog, der Aufschwung, zu dem man mit emporgehoben wurde, lockte alle edleren Klänge hervor; an dem einen Ideale entzündeten