Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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133 1V. Gabriel Rieffer. kümmern dürfen, hinweg; die unbeengte Bewegung forderte er als das unveräußerliche Recht, als die unumgängliche Vorbedingung für die Möglichkeit einer gesunden Fortentwickelung. Die Grundsätze waren nicht neu, sie gehörten der ganzen Zeit an. Aber neu war ihre volle Anwendung auf die Stellung der Juden; unerwartet war die selbstbewußte Forderung, die edle Entrüstung, der sittliche Muth, das kräftige Wort, das wie der Donner grollte und erschütterte. So war Rieffer's erste Schrift: ״Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland" ein historisches Ereigniß und wirkte auch als ein solches. Befremdet schaute man außerhalb auf dieses kühne Auftreten, die Juden aber durchbebte es wie ein elektrischer Strom. Der Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten. Die verrosteten Waffen einer vorgeblichen ״jüdischen Nationalabsonderung" führte Paulus mit der Selbstsicherheit eines verwässerten christlichen Rationalismus, der ohne Poesie und Geschichte kein Auge hatte für eine abweichende Eigenthämlichkeit und für die Berechtigung einer eigenartigen geschichtlichen Entwickelung. Der durch und durch deutsche Jüngling, wie er auch später als deutscher Mann in der Mitte aller vaterländischen Bestrebungen stand, mußte von solcher engherzigen und doch sich gar ftei dünkenden Professoren-Weisheit angeekelt werden; wie sollte er es dulden, daß seinem gesunden Herzen eine Masse von ״Absonderlichkeiten" angedichtet werden, an denen er gleich seinen Genossen leiden sollte, daß er aus dem engen bürgerlichen wie geistigen Verbände mit dem ganzen Vaterlande hinausgeschleudert werde? Solche Sophistik zerpflückte er unbarmherzig in seiner ״Vertheidigung", die sich zum schärfsten Angriff gestaltete; der Sohn der Zeit spottete der ergrauten Vorurtheile. Kein Kompromiß, keine theologischen Concessionen, keine rechtlichen Konsequenzen für das, was im Innersten des Gemüthes abgemacht werden muß, das war und blieb sein Wahlspruch. Rieffer hatte einen solchen Abscheu vor Reformen im Judenthum, insofern sie als Bedingungen für den gleichberechtigenden Eintritt in das Bürgerthum von der einen Seite gestellt wurden, auf der andern von Manchen gerne gewährt worden wären, daß er, der eigentlich mit der positiven Religion nur sehr lose zusammenhing, ein gewisses Mißtrauen gegen die reformircndcn Bestrebungen überhaupt sein ganzes Leben lang nicht recht zu besiegen vermochte. Sein Standpunkt war und blieb der allgemein menschenrechtliche; der Begriff der Freiheit allein sollte für die Gleichberechtigung genügen. Dieser Stand-