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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 132

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 132 (sequence 52)
Language
German
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iv. Gabriel Messer. m Jüngling angehörte, erzeugte in ihm einen inneren Kampf; der blanke Stahl seines Geistes blieb unberührt vom Roste der Bergangenheit. Harmlos hatte er sich an den Ideen der Zeit genährt, seine Studien vollendet, unbekümmert um die schlammigen Lebenswogen, die an seinem Ohre verrauschten. Der Umgang mit der Wissenschaft, mit gleichstrebenden Jünglingen jedes Bekenntnisses hatte den Idealen Leben gegeben, das wirkliche Leben ihm verhüllt. Da wollte er eintreten in die Schule des Lebens; das Rechtsstudium, das er mit Liebe ergriffen, wollte er sich zur Lebensaufgabe machen, er wollte es pflegen und lehren. Er suchte um die Erlaubniß nach, Privatdocent in Heidelberg zu werden, eine harmlose, vom Staate nur zu gestattende Stellung ohne Anspruch auf Begünstigung und Anerkennung, — es ward ihm versagt, weil er — Jude war. Neben der ihn erfüllenden Wissenschaft hatte ihn auch die junge Freiheit ergriffen, der Jugendthau hatte in ihm die zarte Blüthe reich entwickelt, er wollte eine unscheinbare Frucht derselben genießen, — sie sollte ihm eine verbotene sein. Da mit einem Male erhob sich vor seinen Blicken die unübersteigliche Schranke, die aller Orten vor den Juden errichtet war, und sein Inneres gerieth in die tiefste Empörung über den unberechtigten Eingriff in das Heiligthum der freien Persönlichkeit, sein Rechtsgefühl sträubte sich gegen die maßlose Willkür. Er hatte erkannt, daß das persönliche Hinderniß, die Zerstörung des eigenen Lieblingswunsches nur die nothwendige Folge sei eines allgemein verhängten Druckes, das individuelle Leiden nur ein einzelner Laut im gemeinsamen Wehe. Da schwand der vereinzelte Schmerz um die eigene getäuschte Hoffnung, er trat Ln der edlen Natur zurück hinter das bedrückende Gefühl des allgemeinen Jammers. Er schaute ernst Ln die Lage der Juden, die er nun erst recht als Leidensgenossen an sein Herz drückte, er erkannte die ganze Erbärmlichkeit, mit der über die freie Seele pedantisch hochmüthig abgeurtheilt, mit der sie lieblos zerfetzt wurde, und ein Schrei sittlicher Entrüstung entrang sich der wunden Brust. Ein kühner, edler Jüngling trat er auf, nicht um Vorwürfe abzuweisen, nicht um entschuldigend, schmeichelnd Rechte zu erbetteln, nein, mit dem vollen Gefühle gerechten Anspruches, mit der Ueberlegenheit des neuen Zeitbewußtseins. Von idealer Höhe herab richtete er seine Geschosse aus die verschrumpfte Engherzigkeit, verachtend wälzte er alle Vorwürfe über Mängel, die nur zufällig und vorübergehend, der freien Seele nicht eingeboren seien und die Allen zukommende Freiheit nicht ver-

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