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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 131

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 131 (sequence 51)
Language
German
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1V. Gabriel Riester. 431 Reinigung. Wenn Diejenigen, welche die geistigen Bestrebungen der Zeit beherrschten, sich ungehindert in den culturhistorischen Strömungen bewegten, mit solcher Bestimmtheit von den Juden es aussagten, daß sie als solche ganz und gar nicht an den edelsten Regungen des Zeitbewußtseins sich zu betheiligen vermöchten, daß deren Lebenssaft sie nicht durchströmen und verjüngen könne: so fühlten gar Viele, wie ungerecht dieses Urtheil war, und dennoch wirkte es lä'hmend. Man wurde an sich selbst irre. Die Einen fanden sich dadurch bestärkt, eben zu bleiben was sie waren, die Andern machten den gewagten Sprung, es gar nicht mehr zu sein und verließen das Judenthum. Aber auch Diejenigen, welche im Flusse der Geschichte verblieben, an der Entwickelung der Gesammtheit nicht verzweifelten, gingen nicht mit der Sicherheit und Freudigkeit eines festen Vertrauens zu Werke. Die Entschiedeneren wurden erbittert und senkten den Groll tief hinab in's Herz, die Schwächeren wurden ängstlich, sie tasteten umher, sie belauschten mißtrauisch sich selbst. Es fehlte nicht an tüchtigen Versuchen und Unternehmungen zur damaligen Zeit; aber allen ist das Gepräge der Unsicherheit aufgedrückt, der Aengstlichkeit, die scheu umherblickt, ob sie hier nicht verletzt, dort die wohlwollende Theilnahme erwecken kann. Eine solche gepreßte Stimmung mußte jeden Aufschwung lähmen. Wer jene Zeit mit durchlebt hat, weiß es, wie mancher wackere Mann in edler Hingebung angeregt und gewirkt, manches tüchtige Werk gefördert worden, aber auch daß ein Gesammtbewußtsein, ein verknüpfendes geistiges Interesse unter den Juden nicht vorhanden gewesen. Die Gemeinsamkeit des Strebens, welche selbst jetzt, wo doch wieder eine Ermattung eingetreten, so selbstverständlich ist, die im vierten und fünften Dccennium des Jahrhunderts aber so mächtig Alles ergriff, sie wurde damals noch ganz vermißt; vereinzelt, zersplittert regte sich's blos leise hier und da. Da löste die Julisonne des Jahres 1830 die ELsrinde der Weltgeschichte. Nene geistige Frische belebte Frankreich und sie weckte die zurückgedrängten Regungen in andern Ländern., namentlich auch in mehreren Staaten des deutschen Vaterlandes. Der allgemeine Geist ward aufgerüttelt, das Verlangen selbstbewußter, das Wort muthiger, dringender. Auch die erstarrten Glieder der Judenheit durchzuckte es. Da trat Gabriel Riesser auf. Er war emporgewachsen in Mitten einer gebildeten Familie, kein Zwiespalt zwischen einer ihn umgebenden entschwindenden Vergangenheit und der Zukunft, der der 9*

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