Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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iv. Gotthold Salomon. 126 zu befruchten; die Zeit versuchte mehrfach auch Rückschritte, er ließ sich nicht blenden und ablenken und wußte auch von seinem Standpunkte aus das einschneidende Wort dagegen zu erheben. Die jüdische Predigt war, als er austrat, von Vielen als eine exotische Pflanze verpönt, von Anderen als ideenloses Phrasengeklingel, weil sie nicht zu Witzeleien, zu Versverdrehungen sich entwürdigte, verspottet worden. Es bedurfte der hinreißenden Gabe, des mächtig fesselnden Wortes, um alle Vorurtheile gegen sie zu besiegen. Salomon gelang es. Er wußte die Geister zu erheben, tief in die Herzen einzudringen, die Lebensverhältnisse, die Gemüthsstimmungen zu beleuchten und zu verklären, in edler Form und dennoch volksthümlich, Gedanken zu wecken und sie zu lebendigen, warm empfundenen Ueberzeugungen zu gestalten, und er drang durch. Die Predigt ist nunmehr eine Macht geworden in Mitten der jüdischen Gemeinde, sie nimmt den ersten Rang ein unter den religiösen Erbauungsmitteln. Daß sie cs geworden, ist das Verdienst Salomon's und der mit ihm strebenden Ebenbürtigen. Das Andenken des Meisters müssen die Jünger ehren; seine beredte Lippe ist zwar verstummt, und dennoch hallt ihr Wort wieder in allen Gotteshäusern Israelis, in allen Herzen der Bekenner des Judenthums. — Das war die Mission Salomon's, Dies sein dauernder Werth. Er hat cs auch sonst nicht fehlen lassen an ernster Betheiligung für alle jüdischen Interessen; er stand überall mit in den Vorderreihen der Kämpfenden, für bürgerliche Gleichstellung, gegen Schmähung der Juden und des Judenthums, für die religiöse Entwickelung, wie sie durch die schriftstellerische Thätigkeit angebahnt wurde. Ueberall bekundete sich seine geistige Regsamkeit, wenn er auch hier mehr neben Anderen wirkte, die vielleicht hier und da mehr inneren Beruf, mehr tiefere Einsicht dafür hatten. Was er als wohlwollender, hilfsbereiter Mensch, was er als Freund und im Kreise der Familie, deren Innerlichkeit er mit so vieler Gemüthstiefe zu schildern wußte, gewesen, das wissen die Vielen, die ihm nahe gestanden und die sich seines erquickenden Umganges erfreuten. Der Mittelpunkt seiner schöpferischen Persönlichkeit aber lag in der lebendigen Rede, die aus innerem Leben erzeugt, auch solches wieder schuf. Der veredelte Gottesdienst, der sich aus vertrocknetem Formeldienste zum Aufschwünge der andächtigen Seele erhob, ist zumeist sein Werk. — Aber die Erneuung des innern Lebens, die fröhliche Arbeit an den eigenen Gütern, die unverdrossene Hingebung, diese Schätze zu Vierteljahresschrist. II. 2. 9