Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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iv. Gotthold Salomon. 127 men vor, und so suchen wir, uns ihren Lebensgehalt zum werthvollen ELgenthume zu machen. Rasch hinter einander sind uns zwei Männer entrissen worden, beide zumeist von demselben Orte aus wirkend, welche einen unvergänzlichen Namen sich erworben haben: Gotthold Salomon und Gabriel Riesser. Ihre Bestrebungen sind ein volles Gemeingut geworden, der Erfolg ist so gesichert, daß ein junges Geschlecht, welches sich desselben als seines unveräußerlichen Besitzes erfreut, ihn als ganz selbstverständlich betrachtet und kaum mehr begreift, wie der Kampf darum ein so mühevoller gewesen, wie es gewaltiger Talente und andauernder Hingebung bedurfte, um es dahin zu bringen — und dennoch war dem also. Eine neue Zeit war für die Juden herangebrochen; Gewohnheiten und allgemeine Auffassung des Lebens hatten sich umgestaltet, geistige Bestrebungen und religiöse Ansichten waren in eine neue Bahn gelenkt. Vieles war zu thun und wurde unternommen, um sich in Einklang mit der Zeit zu setzen. Bürgerliches Gewerbe, Erziehung der Jugend, Verkehr mit der Außenwelt mußte in die neue Ordnung der Dinge sich einfügen, und die Kräfte der Besseren wurden reichlich dafür in Anspruch genommen. Aber für diese Verjüngung des ganzen Lebens bedurfte es des geistigen Mittelpunktes, der innerlich anregenden Kraft, welche dem ganzen Streben die Wärme verlieh, das Gepräge der Gemüthsweihe aufdrückte. Nur ein begeisternder Gedanke vermag nachhaltig der Umgestaltung die Kraft der Jugendlichkeit zu verleihen; nur durch ihn wird sie die Morgenröthe einer neuen Zeit. Die Macht der treibenden Verhältnisse allein zersetzet und löset; nur die geistige Vertiefung wirkt schöpferisch. Das Fremde, das sich anlehnt und sich geltend macht, giebt ein Aggregat von Bestandthcilen, das des innern Zusammenhanges entbehrt; die Belebung von Innen heraus schafft aus einem Gusse, verbindet auch die von verschiedenen Seiten her sich ansetzenden Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Die Juden und das Judenthunr mußten sich aus dem Judenthume selbst verjüngen. Der ideelle Gehalt des Judenthums mußte aus dem Schutte der Zeiten hervorgearbeitet, in seiner unverwüstlichen Macht nachgewiesen werden, in seiner verklärenden Erscheinung die Herzen warm ergreifen; die Idee soll sich nicht blos mit den neuen Anforderungen vertragen, sie muß sie aus sich gebären, sie vergeistigen. Gotthold Salomon verstand es, den lebendigen, sittlich-religiösen Gehalt des Judenthums zu erfassen, ihn in seiner