Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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124 iii. Zur Geschichte der Versöhnungsfeier. rigkeit darbietet und welches auch wahrscheinlich niemals vollständig zur Ausführung gekommen ist. Es ist daher auch dieses Gesetz wahrscheinlich seinem wesentlichen Inhalte uach mosaisch und nur vielleicht in späterer Zeit in der Ausführung etwas überarbeitet oder erweitert» Das Criterium bedarf kaum einer Widerlegung. Weil wir hier ein Gesetz vor uns haben, dessen Ausführung große Schwierigkeiten darbietet, ergo — soll Moses der Gesetzgeber, d. h. ein Phantast sein! Das Alter des Gesetzes wird behauptet, gerettet, aber die wahre Göttlichkeit, die Möglichkeit des Gesetzes im Connexus der Gesetzgebung, seine geistige Stelle in der Entwickelung wird preisgegeben! Wir meinen, der Zusammenhang mit dem י״כ, so wie die ganze Weite und Ausführlichkeit des Gesetzes zeigen zur Genüge, welche Stelle ihm anzuweisen ist. Fassen wir zum Schlüsse das Ergebniß der Untersuchung zusammen. Die geschichtlichen und prophetischen Bücher der Schrift erwähnen die Versöhnungsfeier nicht, enthalten vielmehr deutliche Spuren, daß sie nicht gefeiert wurde. Erst der zweite Thcil des Jesaias führt auf eine, jedoch nicht sichere Spur der Feier. Hingegen findet sich eine andere Art der Feier, nämlich als bloße Tempelfeier, und zu einer andern Zeit, nämlich am 1. resp. am 7. des Nisan, schon im Ezechiel angedeutet. Ebenso bewegt sich der größere erste Theil des Cap. 16 im Levit. noch innerhalb dieser Schranken und läßt die Zeit der Feier noch unbestimmt; der Zusammenhang mit der Einweihung der Stiftshütte, welche auf den Nisan angesetzt ist, läßt sogar vermuthen, daß auch in diesem ersten Theile noch von einer Feier im Nisan die Rede ist. Das älteste Gesetz im Exodus und das Deut, schweigen ebenfalls von der Versöhnungsftier. Dahingegen tritt sie sonst im Levit. und in Num. auf als der allerheiligste Festtag, als eine Volksftier im eminenten Sinne, nachdem auch der erste Tag des.Tischri zu einem heiligen Festtage geworden ist. Wann sind sie es geworden? Die Antwort darauf müssen wir schuldig bleiben. Nur das dürfen wir behaupten: Zu einer solchen Feier, wie namentlich die Versöhnungsfeier sich kennzeichnet, reift ein Volk nur langsam heran. Die Reife ist ein Product und muß ein Product sein einerseits äußerer Umstände, bedrängter und auf das innere Leben andrängender Verhältnisse, andererseits gesteigerter, eifriger Arbeit auf dem Felde geistiger und religiöser Entwickelung. Soviel, aber mehr nicht, dürfen wir über das Wann? anssagen. George W. 301) wagt sich weitem Er kommt zu dem Resultate, daß die