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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 119

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 119 (sequence 39)
Language
German
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hi. Zur Geschichte der ׳ Versöhnungsfeier. 119 Die Rede im 58. Capitel klingt ebenfalls wieder von dieser Wehmuth, geißelt ebenfalls den Mangel an Innerlichkeit, fordert wahre Reinheit der Gesinnung und der That als Bedingung der Versöhnung und Besserung, also explicite dasjenige, was implicite enthalten ist im Pentateuch in לפני ה' תטהרו und in der Benennung שבת שבתון. 11. Und somit wende ich mich zum Pentateuch. Wo und wie und in welchem Charakter tritt darin die Versöhnungsfeier auf? Welche historische Momente der Entwickelung finden sich darin? Gar keine! lautet die Antwort derjenigen, welche den Pentateuch in seiner jetzigen Gestalt als eine Einheit, als ein Werk aus einer Zeit und aus einem Gusse betrachten. Und wenn man ihnen die Differenzen und Widersprüche zeigt, welche gerade das Capitel von den Festtagen im Allgemeinen und von dem Versöhnungstage im Besonderen in den verschiedenen Büchern und Stellen des Pentateuch aufweist, so haben sic tu• Antwort: סרשה וו אליהו עתיד לדרשה! Wir können diese Antwort nicht acceptiren. Wir müssen eine Lösung suchen für das scheinbare Räthsel, warum im Exodus und im Deuteronomium die Feier des י״ב ganz unerwähnt ist. Und die Lösung findet sich, wenn man unbefangen und mit wissenschaftlichem Geiste die verschiedenen Urkunden der Gesetzgebung vergleicht. Man kommt dann freilich zu dem Resultate, daß sie nicht aus einem Gusse sind, daß die verschiedenen Momente der zeitlichen Entwickelung, des allmäligen Hervortretens der höheren religiösen Ideen sich in ihnen abspiegeln, gerade bei den Festen noch mehr als sonst, weil Feste überall in der Geschichte naturwüchsig, dem Wechsel der Zeiten und des Cnltns unterworfen sind. Ist denn aber dieses Resultat so beklagenswerth, so horribel, daß ihm die jüdische Theologie aus dem Wege gehen sollte? Würde der Gedanke einer vieltausendjährigen Stabilität in religiösen Instituten, die ihrer ganzen Natur nach aus dem Leben und der Geschichte eines Volkes herauswachsen, nicht noch horribler, noch abnormer sein? Würde das israelitische Volk nicht selbst dadurch zu einem Räthsel, zu einer Abnormität, ich möchte fast sagen, zu einer Mumie werden? Nein, die Geschichte desselben bietet uns keine solche Abnormität, der Pentateuch selbst hat uns in seinen verschiedenen Urkunden den Weg der Entwickelung, des Entstehens und Merdens auch der Versöhnnngsfeier angedeutet. Die ältesten Ur-

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