Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*1 IS I111‘ Zur Geschichte -er Versöhüungsftier. pitels 45 zwischen den הגים und שבתות aufgezählt — und daß Hemde darum der siebente Tag für die höhere Versöhnungsfeier hinzugefügt, und diesem Tage die besondere Bestimmung eingeräumt wird, zu sühnen wegen derer, die aus Jrrthum oder durch Verführung gesündigt haben — האיש שגה והפתי —. Ferner ist zu bemerken, daß hier in Ezechiel die Versöhnungsfeier noch nicht als allgemeine Volksfeier, wie das Passah- und Hüttenfest, sondern ledig- Ach als Tempelfeier auftritt, daß also der י"כ des Ezechiel noch nicht den Charakter des שבת שבתון, der vollständig entwickelten Idee des Festes hat. Diese vollständig entwickelte Idee, und zwar rectistcirt von der Korruption, in die sie bereits durch die Erfassung der blos äußerlichen Seite, des Formellen, hincingerathen war, scheint dem Verfasser des Capitel 58 im Jesaias vorgeschwebt zu haben. ״Warum fasten wir und Du siehst es nicht, peinigen unfern Leib und Du merkst es nicht? Siehe, an euren Fasttagen geht ihr den Geschäften nach und all euren Erwerb treibt ihr. Siehe, zu Hader und Streit fastet ihr und zu schlagen mit frevler Faust" (V. 3 ff.). Der Redner hat allem Anscheine nach — mit voller Gewißheit läßt sich's nicht behaupten — einen jährlich gefeierten Bet-, Fast- und Kasteiungstag zum Gegenstände seiner Betrachtung, er will die Ent- Heiligung desselben rügen, er schwingt sich dann in der That zu der wahren Idee der Versöhnung durch Gerechtigkeit, durch Wohlthätigkeit und Humanität auf (V. 6. 7. 9—II). Ob er die Feier des Versöhnungstages im Auge hat?׳Ich weiß es nicht, man muß es jedoch vermuthen, da ja nach Zacharias 8, 19 alle andern Fasttage aufgehoben waren. Der Redner rügt die Entheiligung der Feier, das Treiben der Geschäfte, das deutet an, daß zu seiner Zeit die Feier zur allgemeinen Volksfeier, aber noch nicht zur völligen Durchdringung des religiösen Bewußtseins gelangt war, noch nicht die Geltung hat, die sie jetzt hat. Diese Geltung will Wan ihr erst vindiciren. Und wann lebte dieser Redner? Jedenfalls lange nach Wiedererbauung des zweiten Tempels. Geiger (Urschrift S. 37) läßt im vorangehenden 57. Capitel einen Mann reden, der ״die tiefe Wehmuth nicht unterdrücken kann beim Anblicke, wie wenig noch im Innern das religiöse Leben seinen Idealen entspricht, und man hört es ihm an, daß die herrschenden Priester diesen Abfall verschulden. Mit edler Entrüstung schmäht er die Volksführer, und der Herrscherngwe des.Zaddik wird dem Dichter zum grausamen Spotte."