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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 117

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 117 (sequence 37)
Language
German
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m. Zur Geschichte der Versöhnungsfeier. 117 werden. Raschi zur Stelle weiß sich dieses nicht zu erklären und giebt einen unwahrscheinlichen Grund an. Aus unserer angeführten Stelle des Ezechiel wissen nun ebenfalls Rabbi Jochanan und Rabbi Jehuda nicht klug zu werden, und sind aufrichtig genug, es einzugestehen. Mit andern Worten, sie wissen daß hier von jährlich wiederkehrenden Festen die Rede ist, also von Festen, welche im Pentateuch nicht Vorkommen. Rabbi Aschi aber und Rabbi Josi helfen aus dieser Verlegenheit dadurch, daß sie erklären, es sei von einer einmaligen Einweihungsfeier, und zwar in den Tagen Esra's die Rcde — מילואים הקריבו בימי עורא — und dieser Erklärung folgen die jüdischen Commentatoren Raschi, Kimchi und Andere. Daß sie geschichtlich unrichtig ist, zeigt Nehemia Cap. 8, denn allem Anscheine nach soll in diesem Capitel eine Art Einweihungsfeier beschrieben werden, welche aber auf den Tischri verlegt ist. Im Buch Esra's selbst kommt im Capitel 3 die Andeutung einer solchen Einweihungsstier vor unter Serubabcl, zwar nicht des Tempels, sondern des restituirten Altars, aber ebenfalls auf den siebenten Monat verlegt. Daß die Erklärung der Rabbinen auch nicht zu dem ganzen Inhalt des Capitelö 45 paßt, sicht man nicht minder bei näherer Prüfung. Es ist im ganzen Capitel nur die Rede von jährlich wiederkehrenden Festen, von den Opfern am Passah-, am Hüttenfest und an sonstigen Festtagen. Anders, und wie mir scheint mit richtigem kritischen Tacte, faßt daher Di*. George (Die älteren jüdischen Festtage, S. 299 ff.) diese Stelle auf. ״Interessant," sagt er, ״ist hier die Vergleichung des Propheten Ezechiel; er, der das Versöhnungsfest noch nicht kennt und auch nach der alten Weise noch das Jahr mit der Frühlingsnachtglciche im Monat Nisan beginnet, setzt auf den ersten Tag desselben einen unser»! Feste analogen Ritus, indem das Heiligthum durch das Sündopfer eines Stiers sowohl an diesem Tage als am siebenten Tage desselben Monats entsündigt werden soll. Der Prophet konnte aber den ersten Tag, der allerdings für diese Feier der natürlichste war, dazu bestimmen, weil er noch kein Neujahrsfest kannte, und dieser Tag ihm daher noch durch kein anderes Fest besetzt war." Diese Ansicht wird im Wesentlichen richtig und nur dahin zu ergänzen sein, daß allerdings der erste Tag des Monats Nisan schon an sich als Tempelfesttag bezeichnet war — die Neumondstage waren in früherer Zeit solche Festtage und werden überall in der Schrift, auch von Ezechiel selbst Ln V. 17 desselben Ca-

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