Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IN, Zur Geschichte der Versöhnungsfeier. 118 Noch schärfer und begründeter wird dieser Zweifel, wenn man die Schrift selbst zu Rathe zieht, unbefangen und voraussetzungslos ihre Aussagen prüft. Der Pentateuch bleibe für's erste noch unberührt. Es fragt sicherstens: Kommt in der übrigen Schrift irgend eine Spur der Versöhnungsfeier vor? und zweitens: Finden sich deutliche Spuren, daß sie nicht begangen wurde, nicht gekannt war? Daß die erste Frage verneint werden muß, ist jedem Bibelkundigen zweifellos — es ist nirgends die Rede von einer Versöhnungsfeier am 10. Tischri, sie ist weder in den frühern noch spätern Büchern der Schrift erwähnt, selbst nicht in solchen, die offenbar aus der Zeit des zweiten Tempels stammen. Beweisen läßt sich indessen aus diesem Nichterwähntsein im Allgemeinen nicht viel; die Feier konnte mitinbegriffen sein in den und מועדים, welche oft erwähnt sind (Jesaias 1, 14, Ezechiel 45, 16 und sonst). Auch die Feier des Wochenfestes ist nirgends erwähnt"), obgleich sie ohne Zweifel früh begangen wurde, nur daß auch sie ursprünglich eine ganz andere war, als sie mit der Zeit geworden ist. — Größere Beweiskraft wird es schon haben, wenn die zweite Frage bej'aht werden muß, und das muß sie. Es finden sich allerdings Spuren, daß die Vers söhnungsfeier nicht begangen worden ist, nicht gekannt war. Salomon versammelte im siebenten Monate ganz Israel zur Einweihungsfeier des ersten Tempels, die Feier währte 14 Tage (1. Buch der Könige 8, 65); die Versöhnungsfeier fällt in diese Zeit, wird aber nicht begangen. Den Nabbinen (Mo6d katon, Babli 9a) ist diese Bemerkung nicht entgangen, und Rabbi Jochanan sagt darum, in jenem Jahre hätten die Israeliten den Versöhnungstag nicht gefeiert, אותה שנה לא עשו ישראל את יום הכסורים, und giebt plausible Gründe dafür an. Den rechten Grund kann er fteilich nicht finden oder will ihn nicht gelten lassen. Noch wichtiger und vielsagender ist eine andere Spur. In Nehemia Kapitel 8 ist zu lesen, man habe sich am ersten Tage des siebenten Monats versammelt und Esra habe da die Vorlesungen aus der Thora begonnen, das Volk habe getrauert und geweint, Esra aber und Nehemias ermahnten es, heut nicht zu trauern, denn der Tag sei ein heiliger — כי קדוש היל□ לאדונינו. Am Tage nachher hätten sie ^sich wieder versammelt und die Vorlesung fortgesetzt und da gefunden, daß geschrieben steht in der Thora, die der Herr befohlen *) Sie wird 2. Chr. 8, 13, auch Tob. 2, 1 erwähnt. G. 8*