Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 114 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420979-2420981--0447-2421524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

;114 m. Zur. Geschichte der VersyhAuygSfeier. Allen mit Dank ausgenommen werden, aber ein Beitrag bleibt er doch, und ein Baustein zu der Ueberzeugung, die sich immer mehr anfbauen und befestigen muß, daß wir die Gesetze und Lehren der Religion weniger wegen ihres Alters, als wegen ihres innern Werthes und nach ihrem geistigen Gehalte schätzen und benrtheilen sollen. I. Die Spuren dieses Zweifels, freilich nur leise, ganz leise Spuxen, lassen sich auch im Thalmud noch auffinden. Der Connexus zwischen dem Neujahrs- und Versöhnungsfest, die Beziehung des einen auf das andere wird auch im Thalmud noch festgehalten (Rosch Haschana Babli 16b). Und in der That muß dieser Connexus von Anfang an bestanden haben, denn der zehnte Tag des siebenten Monats wäre sicher nicht zu einer so wichtigen Feier gewählt worden, wenn diesem Monat nicht die Auszeichnung geworden wäre, die ihm mit der Zeit eingeräumt worden ist — Anfang des Jahres zu sein. Ezechiel, der noch nichts von dieser Auszeichnung weiß, weiß daher auch noch nichts von der Versöhnungsfeier am 10. Tischri, aber doch schon von einem Versöhnungsfeste im Tempel, das er aber auf den 7. des ersten Monats verlegt (Ezechiel 45, 20), wovon noch weiter die Rede sein wird. Nun sind aber in der Mischnah und in der Baraitha noch Spuren genug des Bewußtseins, daß das Neujahrsfest erst mit der Zeit sein Recht erlangt, dem biblischen Anfänge des Jahres, dem 1. Nisan, abgerungen hat. Die erste Mischnah in Rosch Haschanah zeigt zur Genüge, daß man noch geschwankt hat zwischen beiden Rechnungen. Noch mehr giebt davon Zeugniß der Streit zwischen Rabbi Jehoschua und Rabbi Elieser, ob die Welt am 1. Nisan oder am 1. Tischri erschaffen worden ist (ibidem 10, b ff.). R. Jehoschua läßt noch der biblischen Zeitrechnung zum Theil wenigstens ihr Recht und räumt dem!ר")־ nur nebenbei Bedeutung ein. Rabbi Elieser hingegen trägt weniger Scheu, das ausdrückliche Wort der Schrift zu verdrehen, und überall, so weit es nur etwa angeht, den 1. Tischri vorzuschiehen. So kleinlich und sophistisch dieser Streit dort geführt wird und weit ausgesponnen, so giebt er doch in seinen Grundzügen Kunde yon dem Zweifel, der noch in Betreff der N""ffeicr' waltete, und der dann selbstredend, wenn auch nicht zugestanden, auch die Versöhnungs- Wer witbetrifft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.