Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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111. Zur Geschichte -er VerfihnimgSfeier. 113 III. Zur Geschichte -er Versöhnungsfeier. Zur Geschichte — ich beabsichtige nicht, eine erschöpfende Geschichte dieser, im jüdischen Cultus jetzt so hochwichtigen, das religiöse Interesse so sehr in Anspruch nehmenden Feier zu schreiben. Dieser Aufgabe fühle ich mich nicht gewachsen; ja es fragt sich noch, ob überhaupt, bei allem Mangel an positiven historischen Documenten, bei jenem mystischen Dunkel, das über der Entwickelung so vieler Institute des Judenthums schwebt, eine solche erschöpfende Geschichte geschrieben werden kann. Nur ein Beitrag zur Geschichte derselben soll in Folgendem geliefert werden, zugleich ein Beitrag und ein Beleg zu jener Wahrheit, vor deren Anerkennung die Orthodoxen und die unkritischen Köpfe aller Konfessionen zurückbeben und sie anheulen, und die dennoch sich immer mehr herandrängt und Anerkennung erzwingt — ich meine die Wahrheit, daß auch die religiösen Institute und Gesetze einem geschichtlichen Processe unterworfen waren, daß sie nicht als Einheit und unabänderlich sogleich bei der ersten Gründung der Religion festgestellt, normirt worden sind, wie es nach einer blind-buchstäblichen Auffassung des Bibelwortes den Anschein hat, sondern erst nach und nach sich hindurch gearbeitet haben, eine Arbeit, die oft viele, viele Jahrhunderte gedauert hat. Daß ich zum Beleg für diese Wahrheit gerade die Versöhnungsfeier wähle, hat seinen guten Grund. Gelingt es, fast ad oculos zu demonstriren, daß diese Feier, später ein Hauptnerv, eine Pulsader aller jüdisch-religiösen Gemeinschaft, einst diese Rolle nicht gespielt hat, wahrscheinlich gar nicht gefeiert worden ist; gelingt es, nachzuweisen, daß der Zweifel ein berechtigter ist, ob das Gesetz dieser Feier, so wie es uns im Pentateuch vorliegt, ein so hohes Alter hat, wie ihm gewöhnlich zugeschrieben wird; ja findet sich, daß gerade diese Feier nach ihrem ganzen Charakter, nach ihrem tiefen religiösen und sittlichen Grunde nur auf dem Cülminationspunkte und nicht am Anfänge der Entwickelung ihre rechte Stelle erhalten konnte — so wird zwar ein solcher Nachweis nicht von Viertchahresschrist. II. 2. 8