Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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II. Mölln. 105 fester haltend, erkennt deßhalb diese Ehe insoweit nicht an, als andere Gesctzesnormen, wie Erbrecht, Priesterrecht, durch sie altcrirt würden, die Ehe selbst aber betrachtet sie bis zur Großjährigkeit der Frau für gültig und nur unter sehr bestimmten Formen für lösbar. Die jüngere Schule hingegen erlaubt sich die Normen des Gesetzes weit mehr den eigenen Anschauungen und den Bedürfnissen des Lebens anzupassen; sie läßt daher auch dieser Ehe alte Folgen zu, wenn dadurch auch in mannigfache sonstige Rechte einbegriffen wird, allein andererseits legt sie sich auch die Gewalt bei, die Ehe selbst auch bei geringfügigeren Veranlassungen, unter, minder erschwerenden Formen .ganz zu lösen. Das ist eben der Charakter des ausgeprägten Pharisäismus, der das Gesetz erhält, mit ihm aber dennoch nach Bedürfniß verfährt. Betrachten wir nun im Einzelnen die Streitpunkte zwischen den Schulen in Betreff dieses Wcigerungsrechtes 17), so finden wir dieselben ganz analog denen über Chalizah. Wie die Leviratsehe, an deren Stelle die Chalizah trat, von Sadducäern und aller Wahrschcinlichkeit nach auch der alten Halachah auf die blos Angetraute (ארוסה) beschränkt, aber nicht bei der wirklich Verehelichten (נשואה) gestattet wurde, so hält auch die Weigerung die Schule Schammai's nur bei Angetranten, die Schule Hitlel's aber auch bei voll Vcrehelichten für statthaft. Hatte die alte Schule verlangt, daß die Unmündige, wenn sie auch durch den Vater angetrant worden, nicht geehelicht werde, bis sie herangewachsen, so verlangte sie Dies sicher noch umsomehr von der Waise, damit dieser ihr Weigerungsrecht beim Eintritte ihrer Großjährigkeit nicht verkümmert werde, und auch Dies erfahren wir wieder von ®Itcfer 18). — Wie die alte Halachah für 17) Alte ursprüngliche Form ist מיאונין im Pl., wie diese Form bei ähnlichen Substantiven üblich ist (vgl. Lehrbuch zur Spr. der Mischnah § 20, 5 S. 49), später dann auch מיאון im Sing. 18) Mischnah Jebamoth 13, 1: בית שמאי אומרים אין ממאנין אלא ארוסות, וביה הלל אומרים ארוסות ונשואות. Von Elieser aber erzählt die jerus. Gem. daselbst 2, seine Mutter habe sehr in ihn gedrungen, daß er die Tochter seiner Schwester heirathe, er aber habe dem auszuweichen gesucht (weil sie eine unmündige Waise gewesen) und habe vielmehr diese seine Nichte veranlassen wollen, sich einem Andern zu verehelichen, bis diese endlich zu ihm gesagt habe; siehe, ich bin Deine Magd, um die Füße der Knechte meines Herrn zu waschen. Dieser Hingebung habe er nun nicht widerstehen können,